Die Absicht, daß der Mensch „glücklich“ sei, ist im Pian der „Schöpfung“ nicht enthalten. Was man im strengsten Sinne Glück heißt, entspringt der eher plötzlichen Befriedigung hoch aufgestauter Bedürfnisse und ist seiner Natur nach nur als episodisches Phänomen möglich. Jede Fortdauer einer vom Lustprinzip ersehnten Situation ergibt nur ein Gefühl von lauem Behagen; wir sind so eingerichtet, daß wir nur den Kontrast intensiv genießen können, den Zustand nur sehr wenig. Sigmund Freud

Mangelhaft

Am 29. und 30. August werden die katholischen deutschen Bischöfe zu einer außerordentlichen Vollversammlung nach Königstein im Taunus kommen. Ihr Thema: die seelsorglichen Probleme, die sich aus der Enzyklika zur Geburtenkontrolle ergeben. Bis dahin soll auch die autorisiert; Übersetzung des päpstlichen Papiers fertiggestellt sein. Denn, so wurde aus kirchlichen Kreisen laut: Die bisher im deutschen Sprachraum verbreiteten Übersetzungen sind wegen erheblicher sinnentstellender Fehler in manchen wichtigen Passagen mangelhaft. Vor allem sollen in lateinischen Text in letzter Stunde Streichungen und Veränderungen vorgenommen worden ein, die im deutschen Text nicht berücksichtigt wurden. Man wird doch nicht in letzter Stunde noch das Verbot gestrichen oder in eine Empfehllung verändert haben?

Unerwartet

Anläßlich des „höchst erfreulichen Eintreffens einer Hoheit des Durchlauchtigsten Erzherzogs von Oesterreich, Ferdinand, und der Durchlauchtigsten Erherzogin Beatrice d’Este“ gab Nikolaus Esterhazy der Prächtige, Fürst am Neusiedler See, 1757 seinem Musikbediensteten Joseph Haydn den Auftrag, eine Oper zu komponieren. Hundert Jahre später war der Enkel Nikolaus’, Paul Esterhazy, von einem Besuch der zaristischen Petersburger öffentlichen Bibliothek so beeindruckt, daß er ihr eine bedeutende Handschrift zu dedizieren versprach. Einhundertzehn Jahre später entdeckte jetzt die russische Rundfunkredakteurin Tatjana Kruntjaewa in der Leningrader Saltykow-Schtschedrin-Bibliothek die inzwischen verloren geglaubte Handschrift wieder. Vielleicht steht zu erwarten, daß das öperchen „Die unerwartete Begegnung“ in weiteren einhundert Jahren auch wieder aufgeführt wird.

Auf nach Konstanz

In Konstanz beginnt am 15. Oktober das dritte Studienjahr; die Universität am Bodensee hat es geschafft, zum erstenmal in ihrer Geschichte dafür ein Vorlesungsverzeichnis vorzulegen. Außerdem hat sie die Zahl der Studienplätze auf nunmehr achthundert erhöht. Außer in den Fächern Soziologie und Psychologie, die bereits voll besetzt sind, können sich also Studenten, denen die Fülle an den alten Hochschulen zuviel wird, noch bewerben: in Erziehungswissenschaft, Politischer Wissenschaft und Wirtschaftswissenschaft; in Philosophie, Geschichte, Literaturwissenschaften und Sprachwissenschaft; in allen Fachbereichen ist es möglich, außer im Grundstudium (Diplom, Magister oder Staatsexamen) auch im Aufbaustudium einen Abschluß (Lizentiat oder Promotion) zu bekommen. Wer sich bewerben will, muß sich allerdings beeilen: Mitte August ist letzter Termin.