Deutsche Reifenhersteller planen einen gemeinsamen Feldzug gegen die Importe billiger Reifen. Sie wollen eine „zweite Marke“ kreieren und damit die billige und, wie es heißt minderwertige Konkurrenz aus dem Markt drängen. Die „zweite Marke“ wird von den Firmen Continental, Metzeler, Phoenix, Veith-Pirelli, Goodyear und Dunlop diskutiert. Von einer Einigung ist man allerdings noch weit entfernt.

Die „zweite Marke“ soll von allen Firmen unter einem gemeinsamen Namen produziert und zu einem empfohlenen Preis vertrieben werden. Sie muß, soviel ist klar, billiger als die preisgebundenen Hausmarken sein. In der Qualität muß sie mindestens so gut sein wie die Importware, aber nicht so gut wie die Hausmarken. Die Reifenhersteller haben sich also die komplizierte Aufgabe gestellt, die Preisbindung für die Hausmarken zu wahren und gleichzeitig die billige Konkurrenz mit niedrigen Preisen zu verdrängen.

Importreifen haben im letzten Jahr einen Marktanteil von zehn Prozent erreicht, bei den gängigsten Größen sogar 25 Prozent. Den Qualitätsunterschied gegenüber deutschen Markenreifen merkt der Autofahrer normalerweise überhaupt nicht, es sei denn, er hat ausgesprochen minderwertige Ware erwischt.

Ein Reifen deutscher Provenienz, wenn er nur billig ist, könnte den Vormarsch der Importe stoppen. Er würde aber gleichzeitig das Geschäft mit den preisgebundenen Hausmarken treffen. Die feinen Nuancen in der Qualität wird der Käufer, wenn er die Wahl hat, wohl kaum mit einem Aufpreis von zehn bis zwanzig Prozent honorieren.

Die billige Importware kommt hauptsächlich aus Amerika und Japan. Es handelt sich dabei ausschließlich um konventionelle Reifen, also keine Gürtelreifen.

Die Zukunft im Reifengeschäft, insbesondere im Ersatzgeschäft, liegt aber bei den Gürtelreifen. Schon indiesem Jahr werden sich 25 Prozent aller deutschen Autofahrer beim Ersatzkauf für Gürtelreifen entscheiden. Bis 1976 sollen es nach einer Schätzung von Metzeler bereits 75 Prozent sein. Nur noch 12 Prozent des Reifengeschäfts werden dann mit den konventionellen Diagonalreifen gemacht.

Ein erster Schachzug gegen die billigen Importe war im März dieses Jahres die generelle Preissenkung bei den Gürtelreifen. Die Preise wurden um vier bis zehn Prozent herabgesetzt. Doch der erwünschte Erfolg blieb offensichtlich aus. In der Branche weiß man auch warum: „Der typische Importreifen-Käufer kauft erst, wenn es unbedingt sein muß. Was und wo er kauft ist ihm dann gleich, nur billig muß es sein.“

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