Bundeswirtschaftsminister Schiller bat die in Deutschland tätigen internationalen Mineralölgesellschaften nach Bonn und erhielt wichtige Zugeständnisse für seine Pläne, eine unabhängige deutsche Mineralölgesellschaft aufzubauen. Die Ausländer erklärten sich grundsätzlich bereit, mit deutschen Gesellschaften bei der Rohölgewinnung zusammenzuarbeiten.

Den Gesprächen mit den „Ausländern“ waren bereits Verhandlungen mit den deutschen Öl-Firmen vorausgegangen. Sie waren Teil des Schillerschen Planes, der deutschen Energieversorgung eine nationale Basis zu geben. Bei der Kohle zeichnet sich eine endgültige Lösung ab –, bei der Neugestaltung der Mineralölwirtschaft hat das Bundeswirtschaftsministerium nun einige Trümpfe in der Hand.

Schiller kommt bei seinen Plänen für einen großen deutschen Ölkonzern zugute, daß der Bund an fünf deutschen Ölfirmen maßgeblich beteiligt ist. Kristallisationspunkt sind Überlegungen für eine Fusion der größten Ölverarbeiter, VEBA und Gelsenkirchener Bergwerks AG (GBAG). Das entscheidende Hindernis war bisher immer der Kohlebereich bei Gelsenberg, der jetzt nach Ansicht des Bundeswirtschaftsministeriums in die Kohle-Einheitsgesellschaft ausgegliedert werden sollte.

Das entscheidende Wort bei GBAG haben die Dresdner Bank mit etwa 30 Prozent und die Deutsche Bank mit etwa 10 Prozent des Aktienkapitals. Im vorigen Jahr war das Paket der Dresdner Bank dem Bund zum Kurs von 191 angeboten worden. Die Regierung hatte damals abgelehnt. Jetzt haben die Spekulationen und höchstwahrscheinlich auch ausländische Käufer den Kurs auf 230 hochgetrieben.

Mit einem großen nationalen Erdölunternehmen sind jedoch Schillers Vorstellungen noch längst nicht verwirklicht. Dieser Konzern hätte zwar auf dem deutschen Markt eine beachtliche Position, wäre aber in der Rohölversorgung weiterhin von den Ausländern abhängig. Die letzten Gespräche im Wirtschaftsministerium waren ein erster Versuch Schillers, überhaupt einen Weg zu eigenen Ölquellen zu finden.

Wenn die deutsche Mineralöl Wirtschaft wirklich auf nationalen Füßen stehen soll, wird der Bund Millionenbeträge für die Exploration neuer Quellen bereitstellen müssen. 800 Millionen Mark wollte der Bund in den vergangenen Jahren als Bohrhilfe vergeben; 220 Millionen wurden nur ausgenutzt. Der Rest wurde ersatzlos gestrichen. rod.