Sind die deutschen Fonds tatsächlich so schlecht, wie manche „Anlageberater“ ausländischer Kapitalgesellschaften sie hinstellen? Stellen wirklich nur die internationalen Fonds des Auslandes eine wertsteigernde Anlage dar?

Munter gemacht durch den Absatzerfolg der Konkurrenz sind die deutschen Fonds zum Gegenangriff angetreten. Sie wollen ihre Wettbewerber mit ihren eigenen Waffen schlagen. Dazu gehört eine gute Publizität, aber auch der Verzicht auf Hemmungen, die Methoden der Ausländer bis ins Letzte zu kopieren. So läßt die ADIG Allgemeine Deutsche Investment-GmbH, von einer Reihe privater Banken getragen, die Zertifikate ihrer Fonds auch im „Außendienst“ absetzen. Ob dem ein Dauererfolg beschieden ist, bleibt allerdings abzuwarten, denn die besten Verkäufer sind in der Regel dort zu finden, wo die höchsten Spesen gezahlt werden. Und das wird bei der ADIG schwerlich der Fall sein.

Die deutschen Fonds haben aber auch gemerkt, wie wirksam die Statistik als Waffe im Konkurrenzkampf sein kann, wenn sie richtig angewandt wird. Wer werben will, muß Erfolge aufweisen können oder große Erfolge versprechen. In den USA ist die Werbung durch die Börsenkontrolle streng geregelt. Erfolgsbilanzen dürfen nur für Zeiträume von jeweils 10 Jahren aufgestellt werden. Das ist vernünftig, denn Investment-Anteile sollen ihrer Natur nach langfristige Anlagen sein. Nur dann lohnen sich die besonders bei ausländischen Anteilen hohen Erwerbskesten. Monats- und Quartals-Erfolgsstatistiken, wie sie neuerdings immer häufiger werden, sind problematisch.

Durch Sonderfaktoren können sie überdies verfälscht werden. So hätte die in unserer Ausgabe Nr. 32 erschienene Tabelle „Das Rennen der Fonds“, die einen Vergleich deutscher Fonds in den letzten vier Monaten brachte, korrekterweise berücksichtigen müssen, daß bei Intervest, Akkumula und Investa in der Zwischenzeit die Ausgabekosten um 2 Prozent erhöht worden sind. Dadurch sind diese Fonds in der Tabelle zu hoch eingestuft worden.

Einen sicherlich interessanten Vergleich legt jetzt die ADIG vor. Sie stellt die Durchschnittsergebnisse aller US-Fonds in 8 Zehnjahresperioden denen der ADIG-Fonds gegenüber. Zugrunde gelegt wird eine Einmalanlage von 10 000 Dollar bzw. 10 000 Mark bei Wiederanlage der Erträge.

In allen diesen Zehnjahresperioden schlossen die ADIG-Fonds besser ab als der Durchschnitt aller US-Fonds. In den Jahren 1951 bis 1960 wurden zum Beispiel aus 10 000 Dollar bei den US-Fonds 31 765 Dollar, bei den ADIG-Fonds aus 10 000 Mark sogar 106 390 Mark, 1958 bis 1967 stieg die Anlage von 10 000 auf 33 414 Dollar, bei ADIG von 10 000 auf 34 963 Mark.

Aus den Ergebnissen der Vergangenheit glaubt die ADIG-Verwaltung den Schluß ziehen zu können, an der bisherigen, auf eine solide Daueranlage zielende Politik festhalten zu sollen. Dies allerdings nicht nur im ausschließlichen Interesse des Anlegers selbst, sondern auch aus volkswirtschaftlichen Gründen. Die ADIG will ihre Anlagepolitik so betreiben, daß Marktstörungen vermieden werden. „Eine Spekulation“, so sagte der ADIG-Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Artur Model (Staatsbankdirektor), „des in den USA zur Zeit betriebenen Ausmaßes würde bei uns mit Sicherheit bedenkliche Marktstörungen hervorrufen. Schon einmal hat die Spekulation in den USA zum Zusammenbruch der Börse und einer schweren Wirtschaftskrise geführt. Sicher kann man den Standpunkt vertreten, volkswirtschaftliche Überlegungen interessieren den Anleger nicht. Für ihn käme es nur darauf an, einen möglichst starken Zuwachs seiner Anlage zu erzielen. Diese Einstellung halten wir nicht für richtig. An einer wirtschaftlichen Instabilität, mit den sich daraus möglicherweise, sogar wahrscheinlicherweise ergebenden politischen Folgen dürfte der Anleger weniger interessiert sein, als an einer vorübergehend exorbierten Entwicklung seines Vermögens, mit dem er dann sicher nicht mehr viel wird anfangen können.“