Von Manfred Sack

Auf dem Laka, achtzehnhundertzweiundfünfzig Meter hoch, sagte der Sohn: „Wenn wir den letzten Dampfer kriegen wollen, müssen wir uns beeilen.“ Unten schimmerte mit seinen weißen Rändern der Weißensee. Sein östliches Drittel ist vom letzten Parkplatz in drei Stunden zu Fuß oder über siebzig Kilometer Umweg mit dem Auto zu erreichen – oder eben mit einem weißen Dampfer. Indessen war die Aufforderung zum Aufbruch ohnehin zu spät gekommen: Das letzte Schiff verläßt den stillen Ostzipfel nicht frühestens um 20.45 Uhr, wie zivilisierte Menschen zu vermuten gewöhnt wären, sondern schon drei Stunden früher. An der Anlegestelle kam denn nur der teure Rat, in Techendorf ein Wassertaxi zu bestellen. Preis: um 25 Mark. Doch in der Gasthausküche nebenan, wo das Telephon steht, sprang ein junger Mann auf, fragte „Wohin?“ und sagte: „Ich fahre Sie.“ Die Kellnerin: „Gehn’s so lang ins Restaurant, da sehen Sie ’s Boot scho kommen.“ Zehn Minuten drauf kam das Boot: ein Dampfer. Der junge Mann hatte seine weiße Kapitänsmütze aufgesetzt und brachte fünf verschwitzte, reichlich ermattete Lakabezwinger über den schwarzen See, zum halben Preis des Taxis.

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In einem Gasthof in Untermöschach bei Hermagor bestellte die Tochter Rührei mit Schinken und der Sohn, weil er das schon kannte, Ham und Eggs. Beide bekamen das gleiche. Der Wirt, nach dem tieferen Unterschied gefragt, grinste und erläuterte: „Das eine bestellen die Gewöhnlichen, das andere die Feinen, die kennen das so aus den internationalen Hotels.“

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„Sie müssen“, so hatte ein einheimischer Lehrer den Gästen aus der verräucherten Großstadt geraten, „Sie müssen, wenn Sie da hinaufgewandert sind, unbedingt zur Alm gehen.“ Auf der Alm, da gebe es noch alles natürlich, unverfälscht, frisch. Milch sollten wir trinken und Butterbrote essen. Es schmeckte in der Tat fabelhaft. Freilich gab es hier, direkt vom Erzeuger auf der Dellacher Alm, die teuerste Milch, die ich jemals getrunken habe: das Viertelliter zu dreißig Pfennig. Vielleicht ist das eine Ausnahme, aber die Erfahrung bleibt, daß Alm- und Alpenvereinshütten keineswegs zu den preiswertesten gastronomischen Niederlassungen gehören. „Hütten “-Assoziationen erweisen sich als falsch: die Hütten sind Häuser.

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