In Bahnhofskiosken und Lebensmittelgeschäften kann man Goldmanns Gelbe Taschenbücher kaufen – und darunter auch eine ganze Menge juristischer Titel. Man schätze sie um des ungewöhnlichen Vertriebsweges willen nicht gering ein. Diese Reihe ist ein erstaunliches Produkt verlegerischen Unternehmungsgeistes. Nicht nur Jurastudenten haben gemerkt, daß sie hier zahlreiche Gesetzestexte auch aus abgelegenen Rechtsgebieten sehr preiswert erwerben können – Rechtsanwälte und Professoren scheuen sich nicht, diese handlichen Zusammenstellungen vor den dickleibigen Loseblattausgaben zu bevorzugen, und der Erfolg der Reihe läßt den Schluß zu, daß die unorthodoxe Aufmachung auch viele Laien dazu verlockt, hier einen ersten Blick in die Geheimnisse der Gesetze zu wagen.

Der erfolgreichste Band der Gelben Taschenbücher ist die Textausgabe des Bürgerlichen Gesetzbuches; sie rangiert noch vor Boccaccios Decameron und Goethes Faust; später folgen Straf- und Handelsgesetzbuch und die Soldatengesetze vor „Yoga für Frauen“ und „Liebeskunst und Eheglück“.

Außer den Gesetzestexten hat Goldmann auch juristische Ratgeber herausgegeben – zum Beispiel: „Deine Rechte im täglichen Leben“, „Deine Rechte gegenüber Behörden“, „Ich lasse mich nicht beleidigen“ und „So mache ich mein Testament“. Manche Leser meinen nach der Lektüre solcher Bücher, sie könnten sich jetzt auch in schwierigen Rechtsfragen selbst helfen und den Anwalt sparen. Das ist natürlich falsch und kann teuer werden. Stichproben haben aber ergeben, daß die Darstellungen an sich zuverlässig sind. Was wunder – alle Verfasser sind voll ausgebildete Juristen.

Ein Band verdient, besonders herausgehoben zu werden:

Dr. Egon Schneider: „Recht und Gesetz. Die Welt der Juristen. Eine Darstellung juristischer Grundbegriffe und eine Einführung in das juristische Denken für Laien“; Wilhelm Goldmann Verlag, München; 181 Seiten, 2,80 DM (Goldmanns Gelbe Taschenbücher Band 1927).

Wer immer sich für Fragen des Rechts interessiert und bisher den richtigen Zugang nicht finden konnte, greife zu dieser Schrift. Von Aktenstaub ist hier nichts zu merken; vielmehr sprüht das Feuer eines lebendigen, kritischen Geistes, der weit über sein „Dezernat“ hinausschaut, zum Beispiel auch philosophische Literatur heranzieht. Schneider ist für seine Richterkollegen ein schwieriger, unbequemer Mann, aber seine Leser haben den Nutzen davon. Auch heikle Fragen, „Tabus“ der Jurisprudenz, werden behandelt; um dieser Partien willen ist das Buch auch Juristen zu empfehlen.

X-mal so umfangreich, aber sehr viel weniger empfehlenswert ist das