Hannover Wiederhergestellt in der Landesgalerie: „Das abstrakte Kabinett“

1927 hatte der Hannoveraner Museumsdirektor Alexander Dorner zusammen mit seinem Freund El Lissitzky das erste „abstrakte Kabinett“ in einem öffentlichen Museum aufgebaut, „eine revolutionäre Tat mit echtem Zukunftswert“, schreibt Walter Gropius zur Wiedereröffnung, der beispielhafte Versuch eines Museumsdirektors, seinem Publikum die noch nicht etablierte, die kommende Kunst verständlich zu machen. Tatsächlich kann man diesen Raum als eine Vorform des heutigen Ambiente betrachten. Die Wände sind nach Lissitzskys Idee durch senkrecht stehende Latten ersetzt, die auf der einen Seite weiß, auf der andern schwarz gestrichen sind – das ergibt einen kinetischen Effekt, wie er heute ähnlich beispielsweise von Soto realisiert wird. Das Kabinett wurde 1936 von den Nationalsozialisten beseitigt und im Sommer 1968 von Harald Seiler, dem Direktor der Landesgalerie, wiederhergestellt. Es enthält Arbeiten der Künstler, die schon 1927 hier vertreten waren: Mondrian, Gabo, Schwitters, Archipenko, aber auch, um den historisierenden Aspekt zu vermeiden, zeitgenössische Kinetiker und Konstruktivisten.

Nürnberg Bis zum 15. September, Kunsthalle und Künstlerhaus:

„Deutscher Künstlerbund“

Fast zwangsläufig wird man im Sommer 1968 diese sechzehnte Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes, bemerkt der Bundesvorsitzende Georg Meistermann, mit Biennale und documenta vergleichen. Um bei solchem Vergleich bestehen zu können, glaubte der Künstlerbund, glaubte seine nur aus Mitgliedern gebildete Jury, sich dem documenta-Trend bis zur Selbstverleugnung anpassen zu müssen. Um jeden Preis sollte der Eindruck vermieden werden, der DKB sei ein Verein der in Ehren Ergrauten, wahllos wurden die Zwanzig- und Dreißigjährigen herangezogen, wenn ihre Arbeiten nur nach Experiment und Aktualität im Sinne der 4. documenta aussehen. Wer wie Flavin mit Plexiglas und Neon arbeitet (Axel Dick), ist ebenso willkommen wie die deutschen Anhänger der Minimum Art (Rainer Giese mit aufeinandergelegten Plastikplatten, W. Knoebei mit liniierten oder gerasterten Leinwänden). Wenn Joseph Beuys einen Raum mit ranzigem Fett und auseinandergenommenen Luftpumpen einrichtet, fühlt man sich auf der Höhe progressiver Antikunst. Um ganz sicher zu gehen, werden auch noch die Altmeister bemüht, Serigraphien von Albers und die sattsam bekannte Bellmer-Aluminiumpuppe. Als ob der Deutsche Künstlerbund nichts Besseres zu tun hätte, als modischen Konformismus zu honorieren! Positive Beiträge kommen von den Kinetikern, von einigen bewährten Mitgliedern (Gecelli, Kitzel, Koenig, Quinte, Thieler, Pfahler) und jüngeren Künstlern, die sich um selbständige Lösungen bemühen, wie Baschlakow, Janoschka, Inge Höher, Genkinger, Kaufmann sowie dem Berliner Bildhauer Harro Jacob mit einer phantastisch komischen Familiengruppe.

Weiterhin im Programm:

Düsseldorf Bis zum 8. September, Städtische Kunsthalle: „Henry Moore“