Von Fritz René Allemann

Zum erstenmal seit 1962 hat Antonio de Oliveira Salazar, der seit mehr als vierzig Jahren mit diktatorischen Vollmachten die Geschicke Portugals steuert, sein Kabinett von Grund auf umgebaut: Sieben Minister und fünf Staatssekretäre sind verabschiedet und durch neue, bisher meist politisch wenig hervorgetretene Männer ersetzt worden. Im Gegensatz zum letzten Revirement vor sechs Jahren jedoch, das nach dem Aufstand in Angola stattfand und dem – hinter den Kulissen – harte Auseinandersetzungen über den zukünftigen Kurs der portugiesischen Afrika-Politik vorausgegangen waren, scheint es sich diesmal nicht um die Spiegelung einer ernsthaften und akuten politischen Krise zu handeln.

Gewiß gibt es in Portugal derzeit viel Grund zur Unzufriedenheit: Als Folge der kostspieligen und offenbar endlosen Kämpfe in allen drei afrikanischen Festlandskolonien Portugals, die das Regime zur Verlängerung der Militärdienstpflicht auf vier Jahre gezwungen haben, hat sich Salazars Herrschaftssystem seit Beginn dieses Jahrzehnts zunehmend verhärtet. Das facht zweifellos die latente Oppositionsstimmung immer wieder aufs neue an und veranlaßt das Regime zu immer schärferen repressiven Maßnahmen.

Auch innerhalb der Armee und in jenen Wirtschaftskreisen, die dem Regime prinzipiell durchaus wohlgeneigt sind, wird mehr und mehr darüber diskutiert, ob Portugal sich auf die Dauer einen Dreifrontenkrieg in seinen „überseeischen Provinzen“ leisten könne. Man fragt sich, ob es nicht vernünftig wäre, die militärisch hoffnungslose und wirtschaftlich uninteressante Position in Portugiesisch-Guinea aufzugeben und die Anstrengungen lieber auf die Erhaltung (und den wirtschaftlichen Ausbau) von Angola und Mozambique zu konzentrieren.

Es scheint aber nicht, daß die derzeitige Regierungsumbildung unmittelbar durch solche Meinungsverschiedenheiten ausgelöst worden ist. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, dann handelt es sich eher um eine jener „Wachablösungen“, wie sie Salazar – nach dem Vorbild Mussolinis – von Zeit zu Zeit auch ohne äußeren Anlaß als notwendig erachtet, um abgenützte oder überalterte Kräfte durch eine neue Mannschaft zu ersetzen.

Was diesmal vor allem auffällt, ist zweierlei. Erstens die durchgreifende Verjüngung des Teams: fast alle neuen Minister sind weniger als 50, einige noch nicht einmal 40 Jahre alt. Nicht minder bezeichnend ist auch der zweite Punkt: Die neuen Männer rücken im allgemeinen nicht etwa aus dem zweiten Glied der Administration nach, sondern werden vor allem aus den Kadern der Einheitspartei „Uniao national und ihrer Hilfsorganisationen rekrutiert.

Wichtiger als administrative Erfahrung waren bei der Auslese offenbar ideologische Zuverlässigkeit und persönliche Ergebenheit gegenüber Salazar. Einzig der sehr konservative und finanzpolitisch höchst orthodoxe Finanzminister, der bisher Gouverneur der Bank von Portugal war, und der Armeeminister, der sich seine Sporen früher als Generalstabschef des Expeditionskorps in Angola verdient hat, gehörten schon bisher zur Prominenz des Regimes.