Kaum schien es so, als ob die deutschen Öl- und Kohlewerke von der Liste der Börsenspekulanten gestrichen waren, brach bei ihnen ein neuer Sturm los. Die von Bonn jetzt forcierte Gründung einer Kohleeinheitsgesellschaft und die versprochene Unterstützung der Ölgesellschaften im Kampf gegen die aus mancherlei Gründen steuerlich begünstigte ausländische Konkurrenz beflügelten die Phantasie der Käufer. Das darunter auch prominente Banken waren, blieb an der Börse nicht lange ein Geheimnis. Das trifft besonders für die GBAG-Aktie zu, die – so rechnen jetzt einige „Experten“ aus – mindestens 300 oder 350 Prozent wert sein soll. Kein Wunder, wenn ihre Besitzer bei Kursen um 220 bis 230 Prozent nicht mehr verkaufsbereit sind.

Sogar die schon längst vergessenen Aktien der Deutschen Erdöl-AG setzten sich wieder in Bewegung. Bislang wurde ihr Kurs auf 180 Prozent, dem Preis der Barabfindung, gehalten. Aber er reichte nicht aus, um die restlichen 2,6 Prozent freien Aktionäre zum Verkauf zu bewegen. Deshalb, so vermutet man in Börsenkreisen, wird demnächst das alte Angebot wiederholt werden, eine DEA-Aktie in 2,2 Texaco-Wandelschuld verschreibungen zu tauschen. Das würde einen DEA-Kurs von etwa 235 Prozent rechtfertigen. Heute liegt er erst bei 200 Prozent.

Daß mit der Ölhausse auch die Großbank-Aktien nach oben strebten, ist die Konsequenz daraus, daß die Dresdner Bank in erster Linie und die Deutsche Bank in zweiter Linie Besitzer von GBAG-Aktien sind, deren eventueller Verkauf ihnen beträchtliche Gewinne einbringen muß. Wenn derartige Sondergewinne anfallen, werden sich die Institute ihren Aktionären gegenüber erkenntlich zeigen müssen, so wird vermutet. Zumal im regulären Geschäft (außer im Kreditzweig) in diesem Jahr ebenfalls glänzend verdient worden ist.

Auffällig am gegenwärtigen Börsengeschäft, das in der vergangenen Woche Rekordumsätze verzeichnete, ist die geringe Beteiligung der privaten Bankkundschaft. Das läßt sich nicht einfach mit der Ferienzeit erklären, sondern drückt vielmehr die Furcht vor einem Rückschlag aus, der von vielen Aktienbesitzern nach einem so ungewöhnlichen Anstieg der Kurse befürchtet wird. Einige Banken raten ihrer Kundschaft, sich allmählich flüssig zu machen, um bei einer Tendenzwende in Wall Street in US-Werten dabeisein zu können.