Die Streitkräfte der nigerianischen Zentralregierung sind Anfang der Woche zum entscheidenden Stoß auf das Herzland Biafras angetreten, wo sieben Millionen Ibos, davon drei Millionen nahe dem Hungertod, in der Falle sitzen. Ungeachtet aller Friedensappelle von afrikanischer und britischer Seite haben sich die siegesgewissen Militärs in Lagos durchgesetzt, die eine gewaltsame Lösung Verhandlungen vorziehen.

Zwei Angriffskeile richteten sich gegen die Städte Aba und Owerri, in deren Nähe die letzten noch benutzbaren Flugplätze Biafras liegen. Ziel der Operation ist es offensichtlich, das Iboland in zwei Teile zu zerschneiden. Die biafranischen Soldaten setzen sich gegen eine dreifache Übermacht erbittert zur Wehr, obwohl sie auch an Waffen und Munition weit unterlegen sind. Allerdings ist ihre Kampfmoral besser als die ihrer Gegner.

Ein großer Teil der nigerianischen Soldaten besteht aus Zwangsrekrutierten, die zum Teil nur zehn Tage lang ausgebildet wurden. Nach Gefangenenaussagen werden einige nigeriansehe Einheiten von sowjetischen und britischen Militärberatern geführt.

Ein von Biafra bereits angenommener Vorschlag des Internationalen Roten Kreuzes, unter der Aufsicht des Roten Kreuzes einen neutralisieren Landestreifen anzulegen, damit endlich im großen Stile Medikamente und Lebensmittel für die notleidenden Flüchtlinge herangeschafft werden können, fand in Lagos keine Gegenliebe.

Dem schwedischen Flugkapitän Graf Rosen gelang es inzwischen, mit einer Maschine, die vom Deutschen Caritas-Verband gechartert worden war, unbehindert durch die Flak der Nigerianer Lebensmittel nach Biafra einzufliegen.