Es gibt Menschen, die die Enzyklika Papst Pauls VI. ohne Einschränkung ablehnen (wie Rudolf Augstein); es gibt Menschen, die sie bedingungslos befürworten (wie Franzxaver Hennenlotter aus Jungingen, Leser des Bayern-Kuriers), und es gibt Ausnahmen, die sich um eine großzügigere Auslegung der päpstlichen Pillen-Entscheidung bemühen, um sie akzeptieren zu können. Zu ihnen gehört auch Herr Jochen Arp. Für ihn (und die Deutsche Nationalzeitung, die seinen Artikel druckte) hat der Papst sich um die weiße Rasse verdient gemacht.

Gerade der bevölkerungspolitische Aspekt der Geburtenkontrolle, der bisher neben dem „privaten“ „weitgehend unbeachtet“ geblieben sei, scheint ihm die wirklichen Absichten des Papstes zu verdeutlichen geeignet. Denn, so müsse man sich fragen, wo könne Empfängnisverhütung überhaupt effektvoll praktiziert werden? In jenen Ländern, wo „Naturvölker, primitive Menschengruppen und -schichten, die lediglich in den Tag hineinleben“, sich verantwortungslos ständig vermehren, bestimmt nicht. Auch Chinas bedrohliche Bevölkerungszunahme könne man auf diese Weise nicht bremsen, weil Mao ja gar nicht daran denke, „die Chinesen zu bewegen, ihre Geburtenfreudigkeit einzuschränken“.

Nun, zwar wird in diesem Land unter anderem Propaganda für Pessare betrieben – aber das läßt Arp wohlweislich außer acht. So werden, wie man weiß, auch in Indien seit Jahren Programme zur Geburtenkontrolle entworfen und verwirklicht – und dennoch bemühten sich „fortschrittsfreudige UNO-Funktionäre, den Indern klarzumachen, wie segensreich empfängnisverhütende Mittel sind – ohne Erfolg“. Kurz (und deshalb werden auch Lateinamerika und Australien übergangen): Das Problem der Empfängnisverhütung stellt sich überhaupt nur dem weißen Teil der Weltbevölkerung, und von diesem wiederum nur ganz bestimmten Gruppen von Menschen, denjenigen nämlich, die, gewohnt, in die Zukunft zu planen, „Hemmungen“ haben, aufs Geratewohl Kinder in die Welt zu setzen.

Was dürfen wir, einer geheimen päpstlichen Erleuchtung vielleicht auf den Spuren, aus diesen unbezweifelbaren Tatsachen folgern? Die Freigabe empfängnisverhütender Mittel würde den Prozeß einer „durchschnittlichen Qualitätsverschlechterung der Bevölkerung“ auf Grund der falschen „Auslese“ gefährlich beschleunigen. Denn es sind die Unverantwortlichen, die Hemmungslosen (die „Asozialen“ also), „denen das Planen in die Zukunft fern liegt“ und die sich natürlich immer weiter vermehren.

Die weiße Rasse, insbesondere in Europa, vor allem in Deutschland, dürfe jedoch nicht „sang- und klanglos unter dem Druck der Bevölkerungsnassen anderer Erdteile“ untergehn. Schon jetzt stehen wir wehrlos der Überfremdung gegeniber: „Aus vielen Ländern müssen Menschen aus Ihrer Umgebung herausgerissen und zu den Produktionsstätten in Deutschland transportiert werden. Bisher kamen diese ausländischen Arbeiter überwiegend aus europäischen Ländern, doch ist abzusehen, wann deren Reservoir erschöpft ist und wir auf Afrikaner oder Asiaten zurückgreifen müssen.“

Ist es nicht denkbar, daß Papst Paul VI. mit seinem theologischen Rückgriff auf Empfehlungen aus dem Jahr 1930 verwandte politische Rück- und Zugriffe hat ausschließen wollen? Kann man sein Wort von „des Menschen höchster Berufung nach Elternschaft“ nicht als eindringlichen Hinweis auf die Notwendigkeit deutschen Geburtenüberschusses interpretieren?

Man kann offensichtlich und man muß Herrn Arp dankbar sein für seinen in dieser und in manch anderer Hinsicht klärenden Aufsatz, der übrigens „am Rande“ auch noch anmerkt, „daß als heute noch völlig ungeklärt ist, wie 6,5 Milliarden Menschen im Jahre 2000 ernährt werden sollen“. Elena Schöfer