Von Gustav Adolf Henning

Das schnittige Flugmodell, das in einem Windkanal der Duke-Universität von North-Carolina getestet wurde, verwendet Fett als Treibstoff, erreicht zwar nur eine Spitze von 48 Stundenkilometern und einen Aktionsradius von 500 Kilometern, ist aber allen bisher gebauten Flugzeugtypen in der Wirtschaftlichkeit überlegen. Der Typ trägt die Bezeichnung „Melopsittacus undulatus“, ist also ein lebendiger Wellensittich.

Dr. Vance A. Tucker, Zoologe der Duke-Universität, war es gelungen, einen Sittich zu lehren, für die Wissenschaft im Windkanal zu starten. Seine Testergebnisse erbrachten erste präzise Aufschlüsse über ein Problem, das bisher so gut wie unbearbeitet war: Wie funktioniert ein Vogel im Flug?

Der Sittich trug eine Kopfhaube aus durchsichtigem Plastic. Über den Nasenlöchern wurde Luft durch einen Plasticschlauch mit bestimmter Geschwindigkeit abgesogen, so daß der Forscher den Sauerstoffverbrauch und die Kohlendioxydproduktion messen konnte. Wenn die Windmaschine angestellt wurde, startete der Vogel und flog eine halbe Stunde und länger stets so schnell, wie der Gegenwind blies, blieb also im Windkanal auf der Stelle.

Bei einem Flugtempo von 35 Stundenkilometern, so stellte sich heraus, fliegt der Sittich mit geringstem Energieaufwand. Er benötigt dazu aber immer noch doppelt soviel Energie wie eine „sehr schnell“ laufende Maus gleichen Gewichts (35 Gramm). Um ein Gramm Eigengewicht einen Kilometer weit zu transportieren, muß der Sittich drei Kalorien an Energie „ausgeben“. Bei Flugzeugen liegt der Wert – je nachdem, ob Propeller-, Düsenmaschine oder Hubschrauber – zwischen einer und fünf Kalorien; viele Insekten brauchen 30 Kalorien.

Ein anderes Maß für die Flugökonomie ist der Treibstoffverbrauch in Prozenten des Körpergewichts und pro Stunde. Die Wanderheuschrecke wendet 0,8 Prozent auf, andere Insekten zwischen sieben und 35 Prozent, Flugzeuge zwischen zwei und 36 Prozent und der Wellensittich nur ein Prozent.

Durch Kippen des Windkanals konnte Dr. Tucker nun auch den Kraftaufwand beim Aufwärts- und Abwärtsflug messen. Natürlich kostet es am meisten Energie, aufwärts, und am wenigsten, abwärts zu fliegen. Aber die Versuche ergaben, daß Vögel durch rhythmische Höhenänderungen möglicherweise doch Energie einsparen können. Wenn der Sittich zum Beispiel mit Tempo 43 eine bestimmte Zeit geradeaus flog, verbrauchte er dabei genausoviel Energie, als wenn er fünf Grad aufwärts und dann fünf Grad abwärts flog. Der Mehraufwand für den Höhengewinn wurde durch die Einsparung auf der Talbahn gerade kompensiert.