Keiner meutert. Einer bittet, mal austreten zu dürfen. „Und wenn ich zu einem Schlammmarsch vorangehen würde, alle folgen“, sagt der Vertreter von seinen Kunden. Sie kaufen und kaufen: das Drei-Zimmer-Appartement mit Blick über die Bananenpflanzungen auf Teneriffa, 129 000 Mark, den Bungalow Typ 75 für 76 000 Mark an der Costa del Sol, die Parzelle für 60 Mark pro Quadratmeter auf Mallorca oder das Rundhaus für 209 000 Mark am „Lago di Contracta“ im Tessin.

Manche erwerben gleich drei Objekte: wegen der „Rendite“. Andere lassen sich davon überzeugen, daß bei Gibraltar („Man weiß nur noch nicht, wann“) eine Brücke nach Afrika gebaut wird. Und das Grundstück 500 Meter vom ersten Brückenpfeiler ist noch zu haben. Welche Chance für eine Tankstelle, die letzte in Europa!

Ein Büromaschinenhändler aus Pirmasens hegt solchen spekulativen Gedanken. Er hat das Grundstück nur aus dem Flugzeugfenster gesehen. Der Verkäufer auch nur. Und so werden in sechs Tagen Rundreise für zwei Millionen Mark „Objekte“ verkauft. Die Unkosten sind einkalkuliert. 76 000 Mark kostet allein die Charter für die bejahrte DC 6. Aber sie hält durch; nur ihre Klimaanlage streikt: 29 Grad in der Kabine über Stunden, ein paar Sauerstoffduschen für ältere Kunden. Sie bleiben alle dabei, sie kaufen fast alle.

Doch wer sind sie, diese „Wohlstandsemigranten“, die „Auslandsbesitz“ wie vom Fließband erwerben? Warum tun sie es? Auf dem 486sten Besichtigungsflug gibt es diese repräsentative Mischung:

Dreißig Prozent suchen einen Alterssitz in gutem Klima. Sie haben ihre Lebensversicherung dafür reserviert, ihre 50 000 oder 80 000 Mark bereitgestellt. Und aus dem Bordlautsprecher haben sie erfahren, daß gerade Teneriffa, gerade Madeira, gerade die spanische Sonnenküste ihren Lebensabend in angenehmem Klima verlängerte: „Selbst Achtzig- und Neunzigjährige verlieren hier noch einmal ihre Runzeln.“ Und der achtundsechzigjährige asthmatische Bauunternehmer durfte in Puerto de la Cruz sogar noch Vaterfreuden erleben – „Sie können ihn selbst fragen.“

Die zweiten dreißig Prozent sind jünger, so um die fünfzig herum. Sie haben ein paar tausend Mark übrig. Sie suchen eine Ferienwohnung und wollen sie ansonsten vermieten. Sie kaufen aus Vorsorge und Sorge. Aus politischen Gründen auch? Nun, nicht wenige kaufen „draußen“, weil sie in Deutschland durch Studentenrebellionen aufgeschreckt worden sind. „Unsere Verkäufe sind danach sprunghaft angewachsen“, weiß der Unternehmer.

Die letzten dreißig Prozent schließlich denken spekulativ. Sie kaufen mehrere Häuser, mehrere Grundstücke und hoffen, daß sie ihnen dort an der Costa del Sol morgen ein Hotelkonzern für das Dreifache wieder abhandelt. Sie wissen aus Deutschland, wie die Bodenpreise gestiegen sind. Warum soll sich das nicht „draußen“ wiederholen? „Nur nicht ein zweites Mal den Anschluß verpassen“, sagt die Gemüsegroßhändlersfrau beim vierten Kauf am vierten Abend an der Bar vom Parkhotel Varese.