Reaktion der Börse Nur einen Tag lang fielen die Kurse

Die Auskunft klang bestimmt: „Die Messe findet statt.“ Am Telephon war der Direktor der Brünner Internationalen Messe, die im Messekalender vom 8. bis 17. September aufgeführt ist. Dr. Riha telephonierte angesichts halbfertiger Pavillons und auf dem Messegelände biwakierender Sowjet-Truppen.

Die Vorkommandos westlicher Aussteller hatten die Arbeit eingestellt, als sich die ersten russischen Panzer zeigten. Sie flohen nach Wien und warten nun auf ein kleines Wunder.

In Brünn hätten sie jetzt ohnedies nichts zu tun. Der Transport des Ausstellungsmaterials für die Industriemesse ist gestoppt. Doch die Tschechen halten unbeirrt an ihren Plänen fest. Die Messe soll stattfinden – wenn es sein muß unter den Rohren sowjetischer Schnellfeuerkanonen.

Fast so kaltblütig wie die Tschechen reagierten die westlichen Aktienbörsen auf die Invasion der kommunistischen Truppen. In Deutschland hatten die Aktienkurse am Montag und Dienstag gerade einen neuen Jahreshöchststand erreicht, als am Mittwoch die Nachrichten aus der ČSSR eintrafen. Kleinere Anleger trennten sich von ihrem. Aktienbesitz und Kaufaufträge der Vortage wurden storniert. Aber die Panik schlug nicht durch.

Großanleger und Berufshandel griffen sofort zu. Die Umsätze erreichten Rekordhöhen, doch die Kurse wurden davon kaum berührt. Die Kursverluste am Mittwoch erreichten nicht mehr als zwei Prozent des Kurswertes.

Schon am Donnerstag gab es für Spekulanten kaum noch etwas zu verdienen, und am Wochenende ging die Börse wieder zur Tagesordnung über. Der Handel konzentrierte sich auf Kohle- und Erdölwerte.