Ein Arbeitgeber, der schuldhaft seine Zeugniserteilungspflicht verletzt, schuldet dem Arbeitnehmer Ersatz des dadurch entstandenen Schadens. Das ist die unbestrittene Rechtslage. Der Schadenersatzanspruch kann sowohl darauf beruhen, daß der Arbeitgeber ein unrichtiges, also auch zu schlechtes Zeugnis erteilt habe, als auch darauf, daß das Zeugnis zu spät ausgestellt worden sei, so daß der Arbeitnehmer in der Zwischenzeit keine entsprechende Arbeitsstelle finden konnte. Natürlich muß immer ein schuldhaftes Verhalten des Arbeitgebers vorliegen, weil sonst kein Schadenersatzanspruch entstehen kann. Für den Arbeitnehmer wird die Sache erst dadurch schwierig, daß er vor Gericht die Darlegungs- und Beweislast dafür hat, daß die Nichterteilung, die verspätete Erteilung oder die Erteilung eines unrichtigen Zeugnisses für den Schaden des Arbeitnehmers ursächlich gewesen ist.

So urteilt jedenfalls das Bundesarbeitsgericht in der Entscheidung vom 25. Oktober 1967 (3 AZR 456/66 in NJW 1968 Heft 29, S. 1350). Der Beweis der Ursächlichkeit ist oft sehr schwer, so daß der geschädigte Arbeitnehmer gar nicht sorgfältig genug um Beweismaterial bemüht sein kann. Vor allem muß sich der um eine neue Stellung bemühte Arbeitnehmer möglichst von jeder Firma schriftlich bestätigen lassen, daß sie den Bewerber eingestellt hätte, wenn er ein ausreichendes Zeugnis hätte vorlegen können.

Das gerade hat das Bundesarbeitsgericht in dem Entscheidungsfall von dem Arbeitnehmer verlangt und ihm nachteilig angerechnet, daß er keine Beweise dieser Art vorgelegt oder auch keine Firma benannt habe, die bezeugen würde, daß sie den Arbeitnehmer sonst beschäftigt haben würde. Die Nachweispflicht gilt besonders für leitende Angestellte, „weil es keinen Erfahrungssatz dahin gäbe, daß bei leitenden Angestellten das Fehlen des Zeugnisses die Ursache für den Mißerfolg von Bewerbungen um einen anderen Arbeitsplatz gewesen sei“, betonen die Bundesrichter besonders.