Horace Beishaw: „Population Growth and Levels of Consumption – With Special Reference to Countries in Asia“; Herausgegeben im Auftrage des International Secretariat des Institute of Pacific Relations; George Allen & Unwin, Ltd., London, 1956; 223 S.

Der Autor untersucht die Wechselbeziehungen zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und dem Bevölkerungszuwachs in Asien, wo heute über die Hälfte der Weltbevölkerung lebt. Sein Ausgangspunkt: Die wirtschaftliche Entwicklung stellt einen sozialen Prozeß dar, der in eine kumulative Steigerung des Verbrauchsniveaus mündet. Es sei irreführend, die Armut in Asien allein in Abhängigkeit von der absoluten Bevölkerungswachstumsrate und -dichte zu sehen. Denn einmal sei die Wachstumsrate in vielen entwickelten Ländern in Wirklichkeit viel höher als in vielen Entwicklungsländern, und zum anderen sei Asien, im Durchschnitt gesehen, viel weniger dicht besiedelt als Europa. Holland (366) und Westdeutschland (229) übertreffen sogar Indien (159) an Einwohnerzahl pro Quadratkilometer (aktualisiert nach dem UN Statistical Yearbook 1966). Die Industrieländer weisen jedoch ein hohes Verbrauchsniveau auf und können es weiterhin erhöhen, auch wenn ihre Bevölkerung schnell anwächst. Im Lichte dieser Erkenntnis setzt sich Professor Beishaw dafür ein, das Verbrauchsniveau durch Änderung der wirtschaftlichen und sozialen Struktur in Asien zu verbessern. Als „gemäßigt optimistischer Neo-Malthusianer“, der zwar die moralische Ablehnung der Empfängnisverhütung respektiert, sie aber unter bestimmten Umständen gerade als Hindernis zur wirtschaftlichen Verbesserung ansieht, kommt der Autor praktisch zu dem Ergebnis, daß die Geburtenkontrolle in Asien nur insofern zu empfehlen sei, als sie die Bevölkerungswachstumsrate verlangsamen und das Verbrauchsniveau erhöhen könnte. Vgl. Fritz Baade: „Der Hunger der Armen und die Pille“ (Die Welt, 21. August 1968).

Warren S. Thompson: „Population and Progress in the Far East“; The University of Chicago Press, Chicago, 1959; 443 Seiten.

Der Autor, von dem auch die Bücher „Danger Spots in World Population“, „Population Problems“ und „Plenty of People“ stammen, untersucht in diesem Buch die Frage, ob das Bewußtsein des Bevölkerungsdruckes („population pressure“) in Asien wächst und, wenn ja, was für Konsequenzen daraus zu ziehen sein werden. Seine Modellfälle sind Japan, China und Indien. Dem die Führer dieser Länder haben längst erkannt, daß die Bevölkerungskontrolle ein Bestandteil ihrer Politik sein muß, um wirtschaftlich schnell voranzukommen und den gegenwärtigen Entwicklungsstand aufrechtzuerhalten. Indien und China haben die Geburtenkontrolle gebilligt, und in Japan verbreitet sie sich rapide. Japan, das erst im Laufe des letzten Jahrhunderts von einem traditionellen Agrarland zu einem hochentwickelten dynamischen Industriestaat hat werden können, sollten die beiden Länder Indien und China, die zusammen etwa zwei Fünftel der Erdbevölkerung stellen, für ihre Wirtschaftsentwicklung zum Vorbild nehmen. Zum Schluß weist der Autor auf die Gefahr hin, daß der (chinesische) Kommunismus asiatischen Ländern als wirksame Lösung der Probleme des Bevölkerungsdruckes erscheinen könne.

S. Chandrasekhar (Hrg.): „Asia’s Population Problems – With a Discussion of Population and Immigration in Australia“; Frederick A. Praeger, New York/Washington, 1967; 311 Seiten.

In seinem früheren Werk „Hungry People and Empty Lands“ hat der weltbekannte indische Demograph Chandrasekhar bereits untersucht, inwiefern sich internationale Spannungen auf demographische und Fruchtbarkeitsunterschiede zurückführen lassen. Er empfahl eine weltweite Bevölkerungspolitik mit dem Ziel, die Kolonisierung abzuschaffen, die Völker über empfängnisverhütende Methoden aufzuklären, eine internationale Auswanderungsbehörde aufzumachen, großangelegt zu industrialisieren und in der Entwicklung der wissenschaftlichen Landwirtschaft zusammenzuarbeiten. Nun stellt er Einzelbeiträge von Experten zusammen, die dem Leser Bevölkerungsprobleme in China, Indien, Japan, Indonesien, Pakistan, Malaysia, Taiwan und Australien vor Augen halten sollen. Für diesen Inder gilt das Bevölkerungsproblem als „vielleicht das grundlegendste und herausforderndste“ Problem Asiens, das zum Teil ein Vermächtnis des europäischen Imperialismus sei. Als Gegenmittel nennt Chandrasekhar außer landwirtschaftlichen Entwicklung und Industrialisierung auch demographische wie Auswanderung und Familienplanung. Aber es gibt erstens keine unterbevölkerten Industrieländer, die jährlich 20 bis 30 Millionen Asiaten aufnehmen könnten, und zweitens wollen die verhältnismäßig wenig bevölkerten Länder wie Australien, Brasilien, Kanada und Südafrika möglichst nur weiße Einwanderer zulassen. Zudem sind die Asiaten nicht sehr auswanderungsfreudig. Als bemerkenswertes Beispiel für die Bevölkerungskontrolle führt der Autor das 1948 in Japan erlassene „Eugenische Schutzgesetz“ an, das einen rapiden Rückgang der Geburtenziffer bewirkt hat. Durch dieses Gesetz wird besonders benannten Ärzten die Unterbrechung von Schwangerschaften beim Vorliegen von Geistes- oder Erbkrankheiten erlaubt, aber auch in Fällen, in denen befürchtet wird, daß die Gesundheit der werdenden Mutter aus körperlichen oder wirtschaftlichen Gründen gefährdet sein könnte. (Vergleiche die vom Deutsch-Japanischen Wirtschaftsbüro in Hamburg herausgegebene Broschüre von Henry Garde: „Japans Bevölkerungsdichte“.) Chandrasekhar befürwortet die Geburtenregelung um so mehr, als sie eine soziale und wirtschaftliche Emanzipation der asiatischen Frauen mit sich bringe und ihnen Würde und Wert als Individuum verleihe.