Von Erwin Lausch

Aus Italiens fruchtbarer Poebene werden Berge wachsen. Am Ost- und Südrand der Karpaten werden, von Lemberg bis Bukarest, neue Gipfel aufsteigen.

Bergketten von mehreren hundert Kilometern Länge werden sich auch aus dem Ionischen Meer erheben. Unter der Sohle des Apennin-Stiefels und vor der albanisch-griechischen Küste werden sie aus den Fluten tauchen. Aus dem östlichen Mittelmeer schließlich, südlich des vom Peloponnes über Kreta und Rhodos reichenden Inselbogens, wird einmal ein mächtiger Gebirgszug ragen.

Diese „begründeten Aussagen über den mutmaßlichen Fortgang der Gebirgsbildung“ machte Professor Hans Georg Wunderlich vom Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Göttingen. Auf Grund langjähriger Untersuchungen über das Entstehen von Gebirgen ist Wunderlich zu dem Schluß gekommen, daß „sich der ‚Trend‘ der Gebirgsbildung und damit auch ihr weiterer Verlauf abschätzen läßt“, und zwar mit beträchtlicher Gewißheit:

„Diese Abschätzung“, so schreibt Wunderlich jetzt in der Zeitschrift „n + m“ (Naturwissenschaft und Medizin), „erscheint... selbst auf Millionen von Jahren hinaus fast sicherer als manche Wettervorhersage für eine Frist von Tagen.“

Voraussetzung für einen begründeten Blick in die Zukunft ist die Kenntnis der Vergangenheit. Kein Mensch ist dabeigewesen, als die großen Faltengebirge der Erde entstanden, und so weit die menschliche Überlieferung zurückreicht, hat sich an ihnen nichts Wesentliches verändert. Was sind auch ein paar tausend Jahre Menschheitsgeschichte, verglichen mit den weit über 100 Millionen Jahren, die etwa vergehen mußten, bis aus ersten Anfängen der Gebirgsbildung die Alpen – majestätisch, wie wir sie kennen – entstanden waren?

Dennoch ist es den Geologen gelungen, die Lebensgeschichte der Gebirge zu erhellen. Aus dem Studium der Gesteinsschichten, der Untersuchung versteinerter Lebewesen, der Analyse von Gesteinsproben, die an der Erdoberfläche gesammelt wie auch aus kilometertiefen Bohrlöchern emporgeholt wurden, und auch aus der Auswertung seismographischer Messungen bei Erdbeben und Großsprengungen haben die Erdforscher ein präzises Bild vom Werden und Wachsen der Gebirge gewonnen.