Am Donnerstag, dem 22. August, dem zweiten Tag der Besetzung, erschien in Prag noch eine letzte Ausgabe der „Literárni listy“ – ein zweiseitig bedrucktes Blatt, aus dem wir hier die beiden wichtigsten Stücke in Auszügen drucken.

In diesem tragischen Augenblick unserer Völker wenden wir uns an das ganze Volk, an alle Tschechen und Slowaken. In diesem Augenblick ist nicht viel Zeit für schöne Reden. Mit bloßen Händen bewältigen wir keine Panzer. Mit Gewalt können wir nichts ausrichten, aber wir können uns anders verteidigen. Niemand kann uns dazu zwingen, daß wir fremde, unsinnige Willkür anerkennen. Wir stehen hinter unserem Staatsoberhaupt, dem Präsidenten Svoboda. Wir stehen hinter der Regierung des Ministerpräsidenten Černík. Wir stehen hinter Dubček, dem Führer der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei ...

Wenn sich ein einziger Tscheche oder Slowake fände, der mit den uns gewaltsam aufgenötigten Organen zusammenarbeitet oder sogar zu ihnen überläuft, dann möge er wissen, daß er das im Widerspruch zu dem Willen dieses Volkes täte, im Widerspruch zu seinem historischen Auftrag, und daß er von diesem Volk für immer als Verräter betrachtet würde.

Wir rufen euch auf: Findet euch nicht mit der Situation ab, paßt euch ihr auch nicht im kleinsten Anschein von Normalität oder Legalität an. Das ist unsere letzte Möglichkeit, wie wir unsere gemeinsame Zukunft beeinflussen können. Im Geist sind wir alle frei.

Wir wollen niemals den Mut verlieren. Söhne des tschechischen und slowakischen Volkes zu sein. Haltet durch, bis uns die Freiheit durch die eingehändigt wird, denen ihr eure Stimmen des Vertrauens gegeben habt.

Haltet zusammen, ohne Rücksicht auf politische Verschiedenheiten ...

Bleibt auf euren Arbeitsstätten, und auf den Straßen gebt keinerlei Zeichen der Provokation von euch. Beendet nur die Arbeit, die den unmittelbaren Bedürfnissen der Gesellschaft dient.