Von Nina Grunenberg

Amtsbauoberamtmann Erwin Weck im Dezernat Nummer römisch fünf, Bauordnungsamt (Nummer arabisch 63) in Marl sagt:

„Also, wo waren wir stehengeblieben. Ja, bei uns werden die Bauanträge geprüft. Manchmal muß die Bitte des Bürgers um Baugenehmigung auch abgelehnt werden. Die Planungshoheit liegt bei der Gemeinde, und auch der Gestaltungswille der Gemeinde unterliegt einer Rechtsnormenprüfung. Wenn dann der Bürger in den Widerspruch geht, ist ihm niemand böse, von Ausnahmen abgesehen. Manche spielen auch verrückt. Wir schreiben dann einen Bericht an unsere Aufsichtsbehörde. Das ist der Kreis. Was die Vorgesetzten zurückschreiben, das sind Verfügungen. Ja, das gibt es. Wenn das Gesuch des Bürgers nicht abgelehnt ist, wird es geprüft. Wenn es gegen kein Gesetz verstößt...“

Das Telephon schrillt. Herr Weck fertigt den Anrufer kurz ab und erklärt mir: „Das war ein Kollege. Den konnte man so abspeisen. Wenn das ein Bürger gewesen wäre...“

Und er fährt fort: „Jetzt sprechen wir mal über die Aufsichtsbehörden. Wir können ja auch nicht so, wie wir wollen. Beispiel: Wenn jemand an einer klassifizierten Straße bauen will, muß die Meinung der Ämter, die für die Straße verantwortlich sind, eingeholt werden. Für die Kreisstraßen wird der Kreis gefragt, für die Land- und Bundesstraßen der Landschaftsverband. Sachverständige müssen gehört werden. Die Türme von unserem Rathaus paßten in überhaupt kein Gesetz. Wir mußten uns also Sachverständige holen, die auch in den Augen von Düsseldorf kompetent sind und gleich wissen, an welche Türen sie klopfen müssen.

Das Wasserwirtschaftsamt kann auch zum Zuge kommen. Es dauert ziemlich lange, bis das Unternehmen in trockenen Tüchern ist. Wir sind nur die Behörde, die nachsieht, ob alles rechtens ist; und wir müssen alle die daran beteiligen, die auch noch Rechte haben.“

Herr Weck, der seinen Titel „Amtsbauoberamtmann“ auch nicht als glückliche Wortschöpfung empfindet, blättert während seiner Ausführungen in einem umfangreichen Gesetzbuch: „Sie müssen sich mal die Gesetze angucken, ich meine, die Sprache. Ich plädiere ja für Latein als Weltsprache. Die ist so mathematisch klar, da bleiben die Begriffe eindeutig und werden nicht verwirrungsstiftend gebraucht wie im Deutschen. Da muß ein Außenbereich ein Außenbereich bleiben und darf kein Außengebiet werden. Das sind Unterschiede, weiß der Schänder... Wenn man noch ein Leben hätte, sollte man doch die Pfoten vom Gefährlichen lassen. Ich meine das mit der Verantwortung, die uns aufgeladen ist. Konstruieren wir mal ein Beispiel: Da haben wir zum Beispiel eine Kirche, die steht kritisch. Da wurde statt Beton Pfefferkuchen genommen, und wir haben das nicht gemerkt. Wenn die zusammenfällt, sind wir dran. Jetzt frag’ ich Sie: Wann machen Sie es richtig?“