USA – Vietnam, UdSSR – ČSSR“, schrieben junge Tschechen an die Mauern von Prag. Und umgekehrt: Moskaus Vertreter im Weltsicherheitsrat sprach den Amerikanern wegen Vietnam das moralische Recht ab, sich über die Vorgänge in der Tschechoslowakei zu erregen.

Was immer man von diesen polemischen Vergleichen halten mag – eines ist sicher: Die sowjetische Intervention wird das Lager der „Tauben“ schwächen – in Washington und mehr noch in Saigon. Die „Falken“ aber, die immer davor gewarnt haben, den Vietcong in eine Koalitionsregierung aufzunehmen, und alle jene, die von einseitigen Konzessionen an Nordvietnam abgeraten haben, weil man kommunistischen Versprecheungen niemals trauen dürfe – sie fühlen sich durch die Ereignisse in Prag bestärkt.

An der Lage auf dem Kriegsschauplatz ändert dieser Stimmungsumschwung freilich nichts. Nach wie vor sind die Amerikaner nicht imstande, den Krieg militärisch zu gewinnen. Die Historiker werden eines Tages wissen, ob Präsident Johnson in diesem Sommer eine Friedenschance vertan hat. Ehe letzte Woche die Bodenkämpfe in Südvietnam wieder aufflammten, war es an den Fronten monatelang relativ ruhig gewesen. Manche mutmaßten, Hanoi habe durch eine Geste der Zurückhaltung Johnson auch die nächste Konzession erleichtern wollen – die völlige Einstellung aller Luftangriffe gegen Nordvietnam.

Doch der Präsident ließ sich dazu nicht einmal durch, „wahltaktische“ Rücksichten auf seinen Schützling Humphrey verleiten. Wozu auch? Drei Viertel aller Amerikaner heißen die Bombenoffensive gut. Obwohl der Wert dieser Luftangriffe fragwürdiger denn je geworden ist – Johnson selbst mußte zugeben, daß die „Infiltration“ aus dem Norden noch nie so stark war wie jetzt –, will das Pentagon auf dieses Instrument nicht verzichten. Solange der Präsident auf die Militärs hört, ist nicht abzusehen, wie Amerika aus der Sackgasse der Pariser Gespräche herauskommen will. K. H. J.