Die angemessene Therapie reicht nach Meinung der Flugzeugkonstrukteure vom Hubschrauber über das Kippflügel-Flugzeug bis zum düsengetriebenen Senkrechtstarter. Der Patient: Luft-Nahverkehr vom Stadtzentrum zum Flughafen und von Stadtzentrum zu Stadtzentrum. Wie unterschiedlich auch die Auslegungen sind – eine Meinung dominiert vom Fluggerät: Es muß senkrecht starten und landen können. Und es muß wirtschaftlich sein.

Die Luftverkehrsplaner für die nächsten Jahrzehnte haben mit ihren Kollegen von der erdgebundenen Beförderung eine Sorge gemeinsam. Sie müssen sich ebenfalls etwas einfallen lassen. Große Flughäfen liegen heute schon bis zu 70 Kilometer außerhalb der Stadt. Das Mißverhältnis von Anfahrtszeit zur Flugzeit wird in wenigen Jahren besonders drastisch: wenn Überschall-Verkehrsflugzeuge in weniger als drei Stunden den Atlantik überqueren. Die effektiven Reisegeschwindigkeiten im Kurzstreckenbereich – gerechnet von Stadtzentrum zu Stadtzentrum – liegen heute teilweise sogar unter 200 Kilometern die Stunde.

Der Hubschrauber scheint in erster Sicht das ideale Transportmittel für den Zubringerdienst zu sein, doch bisher fehlt es noch an den Typen, ihn wirtschaftlich zu betreiben. An einer interessanten Variante, „Skylounge“, wird zur Zeit bei Sikorsky gearbeitet. Ein Kranhubschrauber vom Typ S 64 nimmt im Stadtzentrum eine Art Container für Passagiere auf und bringt ihn zum Flughafen. Auf dem Vorfeld wird er mit einer Zugmaschine versehen, und der Sattelschlepper-Bus fährt direkt bis zum Flugzeug.

Allerdings: Der Hubschrauber erfüllt zwar die Anforderungen an Start- und Landefähigkeiten, ist aber zu langsam. So versuchen jetzt in den USA Konstrukteure, die Eigenschaften des Hubschraubers zu kreuzen, indem sie große Hubschrauber mit zusätzlichen Triebwerken und Tragflächen versehen. Diese „Verbundflugschrauber“ sollen dann in der Lage sein, 30 bis 100 Passagiere mit einer Reisegeschwindigkeit von fast 400 Kilometern in der Stunde Strecken unter 400 bis 500 Kilometern wirtschaftlich zu befördern. Zur Zeit arbeitet man bei Lockheed an entsprechenden Studien und Entwürfen.

Einen anderen Weg suchen die Vereinigten Flugtechnischen Werke in Bremen. Ihre VC 400 (in Entwicklung) hat bei Start und Landung die zwei hintereinanderliegenden Tragflächen in die Senkrechte und die vier riesigen Luftschrauben damit in die Waagerechte gekippt. Die VC 400 ist dann Hubschrauber. Zum Reiseflug schwenken die Flügel in die Waagerechte, und die Luftschrauben treiben das Flugzeug vorwärts. Bis zu 790 Kilometer in der Stunde und mit 58 Passagieren. Das Kippflügelverfahren ist technisch sehr kompliziert. Über Wellen und Getriebe müssen die Propeller synchron verbunden sein, damit bei Ausfall eines der vier Gasturbinen-Triebwerke von je 5000 PS die anderen drei die Luftschraube antreiben können.

In einem ganz frühen Stadium ist das Projekt eines weiteren Senkrechtstarters der Mittel-Masse. Die Messerschmitt Me P 2020 unterscheidet sich im Reiseflug nicht wesentlich von einem konventionellen Düsenflugzeug. Über den Triebwerken besitzt sie jedoch Gondeln mit Rotoren, die im Reiseflug zusammengeklappt und teilweise von Gondelklappen bedeckt werden.

Reinen Düsenantrieb für Start, Landung und Vorwärtsflug verwendet Dornier bei der Do-31. Die Maschine, als Experimentierflugzeug zur Zeit in der Flugerprobung, ist der Welt erstes VTOL-Strahltransportflugzeug (VTOL – Vertical Take Off and Landing). Die Do-31 ist eine militärische Entwicklung, wird aber kaum als militärischer Transporter in den Serienbau gehen.

Kurt Trettner