Frankreichs Konsumenten sollen dafür zahlen, daß die öffentlichen Betriebe nicht länger dem strapazierten Staatssäckel zur Last fallen. Zehn Milliarden Franc, das sind mehr als zwei Drittel des gesamten Fehlbetrages im neuen Staatshaushalt, muß die Regierung bei ihren eigenen Unternehmen zubuttern.

Finanzminister Ortoli will nun die Preise für Elektrizität, Haushaltsgas, Eisenbahnfahrten und Briefporto drastisch erhöhen.

Ursache des Übels sind die Zugeständnisse der Regierung während der Mai-Unruhen, als sie mit großzügigen sozialpolitischen Versprechungen, die sich nun in einer überproportionalen Erhöhung der Lohnkosten auswirken, den Arbeitern die Lust an der Revolution nahmen. Nun zeigt sich der Pferdefuß.

Bisher noch recht und schlecht wirtschaftende Unternehmen, wie die Air France, die Pariser Verkehrsbetriebe, die Kraftwerke und die Schiffahrtsgesellschaften sind recht bedenklich in die roten Zahlen gerutscht. Bei den Eisenbahnen stieg das Defizit auf fünf bis sechs Milliarden, bei den Kohlezechen auf 1,7 Milliarden Franc.

Ortoli will allerdings die Sanierung der öffentlichen Unternehmen nicht nur auf Kosten der Konsumenten betreiben. Gleichzeitig wurden Reformen angekündigt, die Produktivität und Rentabilität der Staatsbetriebe verbessern sollen. An solchen Plänen hat es auch bisher nie gemangelt. Ortolis Vorgänger sind jedoch noch immer daran gescheitert.

Sicher ist nur, daß sich die Regierung mit ihren Maßnahmen über ihre eigene Parole, Preiserhöhungen unbedingt zu vermeiden, hinwegsetzt. Die Unternehmer, wenn sie selbst auch von den staatlichen Preiserhöhungen verschont bleiben sollen, werden das Beispiel ihrer Regierung nicht verachten. ek