Frankfurt am Main

Vor einem Jahr hatten wir an dieser Stelle von einem tragischen Menschenschicksal berichtet: „Weder Mann noch Frau („Die Zeit“ vom 18. August 1967). Im Untertitel hieß es: „Das Gesetz nimmt keine Rücksicht auf seelische Nöte.“ Es ging um die Problematik der Transsexualität, der Geschlechtsumwandlung. Behörden und Gerichte hatten in dem Fall, den wir schilderten, alle Anträge auf Namensänderung und Berichtigung des Geburtsregisters abgelehnt.

Das Standesamt: „Der Antragsteller ist nach wie vor als Mann anzusehen, wenn er sich auch soziologisch als dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlt.“ Das Frankfurter Landgericht: Medizinisch gesehen könne es empfehlenswert sein, den Antragsteller mit Rücksicht auf dessen eigene Einordnung in die weibliche Geschlechtsgruppe und mit Rücksicht auf seine psychische Situation auch äußerlich als Frau zu werten. Das rechtfertige jedoch nicht, ihn auch als solche anzuerkennen.

Ein Urteil des Frankfurter Oberlandesgerichts krönte die Serie grausamer Unerbittlichkeit des Paragraphenautomaten: „Die durch die Nichtanerkennung des Antragstellers als Frau sich möglicherweise ergebenden seelischen Nöte sowie Schwierigkeiten in seinem gesellschaftlichen und beruflichen Leben können keine Berücksichtigung finden, da Billigkeitserwägungen auf diese Entscheidung ohne Einfluß sind.“

„Weder Mann noch Frau“ war kein Sex-Thriller. Es war der Versuch, einem Menschen zu helfen. Eine Anklage, die Beamte und Richter dazu veranlassen sollte, noch einmal darüber nachzudenken, ob denn wirklich das Gefüge der staatlichen Ordnung donnernd in sich zusammenbricht, wenn in einem Geburtsregister der Eintrag „männlich“ in „weiblich“ geändert wird.

Die Warnung, vor lauter Paragraphen den Menschen nicht zu sehen, war vergeblich.

Heute können wir die Geschichte zu Ende erzählen: Sie endete vergangene Woche mit einer Trauerfeier auf dem Frankfurter Hauptfriedhof. Und gesetzestreu bis ans Grab richtete auch der Geistliche den letzten Gruß an „Peter Klaus...“

Auf „sich möglicherweise ergebende seelische Nöte des Antragstellers“ könne man keine Rücksicht nehmen, hatten die Richter gesagt. Jetzt müssen sie es mit ihrem Gewissen ausmachen, daß die seelische Not den „Antragsteller“ in den Tod getrieben hat. Gerhard Ziegler