Es war die Frühstückslektüre im Hotel zu Bern. Ein Gast aus Paris, mit dem ich abends ein paar Worte gewechselt hatte, war vom Nebentisch aufgestanden, um mir, kaum daß ich Platz genommen hatte, den „Bund“ zu zeigen, die Mittwochausgabe. Er war nicht sicher, ob er den deutschen Text in dieser Schweizer Tageszeitung vollauf verstanden hatte: „Truppen aus der Sowjetunion, Bulgarien, Ungarn, Polen und DDR marschierten in der Nacht zum Mittwoch in die Tschechoslowakei ein ...“ Nun, diese Nachricht samt allen folgenden Einzelheiten war rasch übersetzt.

Übrigens standen wir neben meinem Frühstückstisch, während ich übersetzte und er mit aufmerksamen Augen die deutschen Zeilen verfolgte. Dann sagte er: „Wollen wir nicht Platz nehmen?“ und winkte dem Kellner, der ihm denn auch die noch halb gefüllte Tasse Kaffee vom Tisch nebenan, an dem er sein Frühstück eingenommen hatte, herüberbrachte. „Sie gestatten...“

Er sog an seiner Zigarette, und ich erwartete einen Kommentar allgemeiner Art, wie sie offensichtlich auch an anderen Tischen ausgetauscht wurden. Doch seine Bemerkung hatte eine besondere Nuance.

„Da sind“, so sagte er, „seit vielen Jahren zum ersten Male deutsche Truppen wieder irgendwo einmarschiert .. Und er wollte wissen, wie ich mich bei diesem Gedanken fühle.

„Miserabel!“

Die Morgensonne warf Bahnen durch de schneeweißen Gardinen. „Ich glaube“, so sagte ich, „daß auch damals schönes Wetter war, als die Deutschen in die Tschechoslowakei marschierten – ich meine: damals, als unter Hitler die Väter dieser Soldaten marschierten, die heute unter Ulbricht marschieren.“

„Nuancen!“ sagte er, „Nuancen!“