Baden-Baden Bis zum 6. Oktober, Staatliche Kunsthalle: „Pablo Picasso – Das Spätwerk“

Erstaunlich, das Spätwerk Picassos ist bisher noch nie isoliert gezeigt worden; es ging, auch auf der riesigen Pariser Hommage für den Fünfundachtzigjährigen, unter in der Fülle eines siebzigjährigen Schaffens. Die Bilder nach 45, schreibt Klaus Gallwitz, der die Ausstellung in Baden-Baden organisierte, figurierten als Annex zu den goßen Perioden. Er präsentiert 80 Gemälde und 50 Zeichnungen aus den Jahren 1944 bis 1967, den wichtigsten Komplex aus diesen Jahren, die Druckgraphik nämlich, hat er ausgeklammert, weil sie zu umfangreich und außerdem weitgehend bekannt ist, bekannter jedenfalls als die Malerei. Es fällt schwer, man sträubt sich dagegen, den Terminus Spätwerk auf Picasso überhaupt anzuwenden. Es fehlen seiner Nachkriegsproduktion die speziellen Qualitäten, aber glücklicherweise auch die potentiellen Schwächen, die sich mit dem Begriff verbinden. Selbst Picasso-Enthusiasten werden seine Malerei seit 1944 nicht als letzte Steigerung oder als große Synthese vorausgegangener Widersprüche apostrophieren können. Noch viel weniger paßt das Klischee von der rapide fallenden Kurve. Auch bei den neuesten Bildern von 1965 und 1967 (1966 hat Picasso nicht gemalt, aber viel und kräftig gezeichnet) sind keinerlei Anzeichen von Müdigkeit oder Resignation zu entdecken. Die Auswahl beginnt mit dem Tomatenstilleben, dessen stachlige Kargheit später von Buffet gehörig ausgemünzt wurde. Dann treten, nach 1945, seine Haustiere, die Eulen und Tauben auf den Plan. Die Motive wechseln, 1955 setzen die Atelierbilder ein, Picasso nennt sie Paysages d’intérieur, vorübergehend beherrscht Jacqueline die Szene. Die Sommernachtsbilder von Vallauris mit Dufyschen Lichtkaskaden geben sich charmant und freundlich gegenüber den brutal deformierten weiblichen Akten. Die großen Bilderzyklen nach Greco, Delacroix, Manet sind mit einigen Varianten vertreten. Die beiden Fassungen des „Raubs der Sabinerinnen“ (nach David), in Deutschland noch nicht bekannt, gehören neben „Maler und Modell“ zu den Höhepunkten aus den sechziger Jahren. Kubismus, soweit er in den späten Bildern als Stilprinzip vorhanden ist, wird ohne streng geometrische Prätentionen gehandhabt und in sein Gegenteil verkehrt, ein Mittel, die Dinge gerade nicht präzise, sondern spontan zu formulieren. Picasso zu Kahnweiler: „Vielleicht ist das, was ich hier gemacht habe, nicht einmal so schlecht. Auf jeden Fall habe ich auf jeden Kniff verzichtet. Der Maler zeigt sich, wie er ist. Das war früher anders. Da kamen immer noch die Kniffe hinzu.“

Weiterhin im Programm:

Hannover Bis zum 8. September, Kestner-Gesellschaft: „Jesus Raphael Soto“

Die rund 80 Arbeiten des Venezolaners kann man insoweit als Hohe Schule der Kinetik betrachten, als Soto auf Motoren und technische Apparaturen verzichtet und durch feinste Strukturverschiebungen einen maximalen Bewegungseffekt erreicht.

Nürnberg Bis zum 15. September, Kunsthalle und Künstlerhaus: „Deutscher Künstlerbund“

Um im documenta-Jahr nicht in den Verdacht der Rückständigkeit zu geraten, wurden viele bewährte Mitglieder gar nicht erst zugelassen und aktuelle Strömungen mit unkritischer Freundlichkeit behandelt.

Gottfried Sello