Düsseldorf

Bürger Westeuropas – eilt zu den Fahnen! Der dringende Appell kommt aus Düsseldorf-Garath. Dort, im achten Stock eines Hochhauses des sozialen Wohnungsbaues, sitzt der 35 Jahre alte Anstreicher und Privatdetektiv Peer Pawlak und ruft zum Heiligen Krieg auf. Als Gründer und Vorsitzender der Christlich-Sozialen Arbeiterpartei Europas (CSAP) hat er der bestehenden Ordnung den Kampf angesagt. Unser dem selbstentworfenen Zeichen des Kreuzes von Schwert und Fackel ficht er gegen Parteien und Parlamente, Verbände und Versicherungen, Presse und Privateigentum. „Diesmal ist Gott mit uns und nicht der Vatikan“, ermutigt er seine Anhänger, die er vornehmlich durch Zeitungsinserate zu gewinnen trachtet.

Aber vorerst muß Pawlak des Parteivolks noch entraten. Über Mitgliederzahlen hüllt sich der mit allen Vollmachten versehene Parteivorsitzende in Schweigen. „Die sind geheim“, läßt er wissen. Offensichtlich haben die Bürger der Bundesrepublik noch nicht erkannt, welche Zukunft ihnen das 53-Punkte-Parteiprogramm der CSAP verspricht. In Pawlaks Vereinigten Staaten von Europa könnten sie die Eisenbahn kostenlos benutzen, und auch Schiffe, Autobusse, U- und S-Bahnen würden sie keinen Pfennig kosten. Sie könnten beliebig Strom, Wasser und Gas verbrauchen, ohne dafür bezahlen zu müssen, und der Staat würde auch die Mieten auf ein Taschengeld herabsetzen. Parteimitgliedern verspricht das Programm sogar Eigentumswohnungen.

Auch über das Wirtschaftssystem, das diese Wohltaten alle ermöglichen soll, hat sich der Parteigründer seine Gedanken gemacht. Unternehmen mit mehr als hundert Beschäftigten werden verstaatlicht; außereuropäische Firmen fallen generell dem Fiskus anheim. Sie werden vom staatlichen Arbeitsdienst bewirtschaftet, dem die Jugend beiderlei Geschlechts mit achtzehn Jahren für ein Jahr verpflichtet ist. Groß-, Zwischen- und Einzelhandel werden durch parteieigene Einkaufszentralen ersetzt, und damit alles seine Ordnung und Sauberkeit hat im Staat, wird eine Kontrollkommission zur Überwachung von Filmen, Büchern und Zeitschriften ins Leben gerufen. Das Fernsehen wird verstaatlicht.

Um die Zukunft seiner Bewegung ist es Pawlak, verheiratet und Vater dreier Kinder, nicht bange. „Es geht langsam, aber es tröpfelt stetig.“ Nur Studenten haben sich bis jetzt noch nicht zu seinem Anhang bekennen wollen. „Wissen Sie, die diskutieren zuviel. Man kann nicht über alles stundenlang diskutieren, jetzt muß gehandelt werden.“ Als erstes will der CSAP-Vorsitzende vier „Propagandawagen“ ausrüsten. „Zwei stehen schon.“ Mit Plakaten beklebt und Lautsprechern auf dem Dach sollen sie durch Nordrhein-Westfalen rollen. „Dazu brauchen wir hauptamtliche Propagandisten. Sie sollen arbeiten wie die Jünger Jesus.“ Claus Donath