Bundeskanzler Kiesinger tat am Abend des 21. August 1968 in jinem Interview mit dem Deutschen Fernsehen kund, wie er die Lage nach der Besetzung der CSSR einschätzt: "Ich sehe unsere Sicherheit nicht gefährdet, jedenfalls nicht mehr, als sich das aus den Gegebenheilen der heutigen Welt seit langer Zeit ergbt.

Die Große Koalition vird ihre Politik (der Entspannung) konsequent fortsetzen. Ich mußte mich immer wieder im Verlauf der vergangenen zwanzig Monate dagegen wehren, daß diese Politik als eine Politik der Illusionen bezeichnet worden ist, nicht von vielen, aber immerhin von einer Minderheit. Ich habe im Gegenteil bei jeder Gelegenheit darauf hingewiesen, daß man sici vor Illusionen hüten müsse, daß diese Politik der Entspannung eine Politik eines langen Atems sein werde, daß es ein langer und mühseliger Weg sein würde, den man hier gehen müsse, und ich hsbe mich immer wieder gegen jene gewandt, die glaubten, daß es eine leichte Sache sei, in kürzester Zeit zu bestimmten Ergebnissen zu kommen.

worauf es ankommt, ist, daß man eben weiß, was es heißt, eine Politik der Entspannung zu machen, daß das nicht eine Politik schwächlichen und devoten Nachgebens oder illusionärer Vorleistungen ist, sondern eine Politik, die weiß, daß es für Europa überhaupt gar keine andere Lösung gibt, als alle Kräfte dranzusetzen, eines Tages zu jener europäischen Friedensordnung zu kommen, die notwendig ist, damit dieser Erdteil endgültig seine Sicherheit und seine Ruhe findet. Daß dazu wünschenswert wäre, dringend wünschenswert wäre, daß auch die Einigung der westeuropäischen Länder rascheren Fortschritt machte als bisher. Zweifellos haben die neuesten Ereignisse auch eine neue Situation geschaffen. Inwieweit das sich auf die zukünftigen Beziehungen zu Ostberlin auswirken wird, muß erst noch geprüft werden. , Das Angebot, Gespräche über wirtschaftliche Fragen ohne Vorbedingungen zu führen, entsprach ja meinen eigenen Vorschlägen. Wenn dies tatsächlich ohne Hintergedanken erfolgt ist, konnten wir uns auch darauf einlassen "