Fast genau ein halbes Jahrhundert nachdem der Altmeister der Konzernstrategie Dr. Friedrich Flick den Grundstein zu seinem Industrieimperium gelegt hat, gibt es zum erstenmal für die Öffentlichkeit ein Guckloch in die sagenumwobenen Gefilde des Flick-Konzerns. Das neue Aktiengesetz hat den Ring des Schweigens gesprengt. Daß dieses Konzerngebilde das Licht der Öffentlichkeit keineswegs zu scheuen braucht, konnte man zwar ahnen, jetzt aber weiß man es.

Von der überraschend kleinen Düsseldorfer Konzernspitze (Verwaltungsgesellschaft für industrielle Unternehmungen Friedrich Flick GmbH, Düsseldorf) von 7 Mitgliedern der Geschäftsführung – darunter der Gründer selbst, sein Sohn Friedrich Karl sowie sein Vetter und jahrelanger Weggefährte Konrad Kaletsch – und rund 20 Mitarbeitern wird der Flick-Konzern gesteuert, der für das vergangene Jahr einen Fremdumsatz von 3,9 Milliarden Mark, eine Bilanzsumme von über 3 Milliarden und ein Sachanlagevermögen von mehr als 1 Milliarde Mark ausweist und dabei 68 648 Beschäftigte in Lohn und Brot hält.

Für 95 Gesellschaften des Flickbereiches legt die als GmbH geführte Verwaltungsgesellschaft für den industriellen Besitz eine konsolidierte Bilanz vor, darunter die großen Gruppen Feldmühle, Dynamit Nobel, Buderus und die Maxhütte.

Damit ist noch längst nicht das ganze Flick-Imperium erfaßt: 227 Firmen werden auf dem Beteiligungskonto geführt. Sie sind nicht alle bedeutend, aber unter ihnen ist auch die „Perle“ Daimler-Benz, wofür der Flick-Anteil in Düsseldorf mit „zirka“ 40 Prozent angegeben wurde. Allein das Daimler-Paket repräsentiert einen Wert von rund 2 Milliarden Mark, das ganze Beteiligungsportefeuille steht in der Flick-Bilanz mit 247 Millionen Mark zu Buch. Der Fundus an stillen Reserven ist überraschend.

Mindestens ebenso eindrucksvoll präsentiert sich auch die Liquiditätslage des Konzerns. Eine knappe halbe Milliarde hat die Geschäftsführung – aus Bankguthaben und Wertpapieren – jederzeit flüssig. Was man damit vorhat, wurde in der Pressekonferenz erwartungsgemäß nicht verraten.

„Es stehen keine konkreten Pläne auf dem Programm“, sagte Flick-Vetter Konrad Kaletsch; ein ausreichend dotierter „Dispositionsfonds“ gehöre zu den vorrangigen Prinzipien der Flickschen Konzernpolitik. Die in der Vergangenheit meistens ebenso überraschenden wie erfolgreichen Engagements des jetzt 85jährigen Friedrich Flick lassen wohl den Schluß zu, daß auch diese Mittel auf die Dauer kein „brachliegendes“ Kapital sein werden. Nmn