21. August

Innerhalb weniger Stunden wird die Tschechoslowakei ohne Vorwarnung und gegen den Protest der Regierung von fremden Truppen überrannt. Am ersten Tag marschieren etwa 70 000 Mann ein. Später werden die Armeen auf etwa 200 000 bis 300 000 Mann verstärkt: Eingesetzt wurden 20 sowjetische Divisionen, Teile von zwei deutschen Divisionen, 15 000 polnische Soldaten, ein paar ungarische Kompanien und eine Fallschirmjägereinheit aus Bulgarien. Die 14 CSSR-Divisionen leisten keinen Widerstand.

Staatspräsident Svoboda wird auf der Prager Burg interniert; Parteichef Dub-ček, Regierungschef Černik und andere Reformpolitiker werden, nachdem sie eine Unterwerfung abgelehnt haben, verhaftet. Blutige Zusammenstöße und Massendemonstrationen in Prag und anderen Städten. Viele Sowjetsoldaten glauben, sie seien im Manöver, andere, sie müßten die ČSSR von den Westdeutschen befreien.

Die für den Fall eines Krieges mit der NATO aufgebaute Untergrundbewegung organisiert den passiven Widerstand gegen die Okkupanten.

22. August

Die Sowjets verlangen ultimativ Bildung einer neuen Regierung unter Ausschluß aller Reformpolitiker. Andernfalls werde man eine Militärregierung einsetzen. Svoboda widersteht dem Druck. 1095 Delegierte treffen sich insgeheim in einer Fabrikhalle vorzeitig zum außerordentlichen Parteitag, bestätigen Dub-ček in seinem Amt und wählen nahezu einmütig ein neues ZK, dem die orthodoxen Funktionäre nicht mehr angehören. Dubček und drei andere Reformpolitiker werden nach Moskau gebracht.

Kriegsrecht in mehreren Städten. Moskau verdammt Dubček als Verräter. Debatte im Weltsicherheitsrat. Geheimsender appellieren an das Volk: „Macht es wie der brave Soldat Schwejk.“