Von Paul Laven

Mein Begleiter auf dem Flug von Hongkong

nach Bangkok hieß Lee Wai-tong, Beauftragter des Internationalen Fußballverbandes (FIFA) für Südostasien. Wir flogen zu den Ausscheidungsspielen zwischen Thailand, Indonesien und dem Irak. Der asiatische Teilnehmer der Gruppe B für das Fußballturnier in Mexiko sollte ermittelt werden.

Der Chinese (62), einst Asiens berühmtester Fußballstürmer, heute noch der „Kauwong“ (Torschützenkönig) genannt, trug 1936 die Fahne der Mannschaft seines Landes ins Olympiastadion von Berlin. Nach dem Einbruch politischer Machtkämpfe in den Bereich des vorerst noch weltumspannenden Olympia erwarte er in Zukunft diese bedrohende Konkurrenz vom China Maos, ließ er mich wissen. Mao werde versuchen, mit den Ländern des Schwarzen Erdteils afroasiatische Spiele zu organisieren. Die vor allem nach größeren Erfolgen in Mexiko so leicht nicht stillbare Sucht der schwarzen Athleten, durch olympische Siege über die Weißen ihr Prestige zu erhöhen, stehe solchen Plänen allerdings entgegen. Das Ausbleiben der von den Rotchinesen so geförderten Ganefo (Spiele der aufstrebenden Völker) spreche dafür, daß sich Maos Leute mit weiterreichenden Plänen befassen. Man glaube in Südostasien, daß sie zielbewußter internationale Neuverbindungen mit dieser Absicht anstrebten als die auch wegen ihrer Spannungen mit dem roten China hin und her taktierenden Russen.

In Südostasien habe man 1959, um dem zielbewußt vorangetriebenen, durch Sportspiele getarnten politischen Einfluß der Chinesen zu begegnen, die SEAP (Spiele der südostasiatischen Halbinsel) begründet. Indonesien, dessen früherer Präsident Sukarno den Anstoß gab, die Ganefo ins Leben zu rufen, „annullierte“ vor kurzem seine Teilnahme und soll jetzt für die SEAP gewonnen werden.

Man hofft, daß außer Thailand, Burma, Malaysia, Singapur, Südvietnam, Laos, neben Indonesien auch die Philippinen, Ceylon und Hongkong seine Athleten zu diesen Südostasiatischen Spielen – die nächsten sollen 1969 in Rangun, der Hauptstadt Burmas, stattfinden – an den Start schicken werden.

In Thailand war man, wie auch in dem heutigen Indonesien, als es um den Boykott Südafrikas ging, zurückhaltender in der Stellungnahme als andere Staaten Südostasiens, auch als Indien und Pakistan, hatte aber auf dem Höhepunkt der Krise die Vorbereitungen für Mexiko weitgehend abgestoppt.