Fritz Thiedemann, neben Hans Günter Winkler Deutschlands populärster und erfolgreichster Springreiter, ist von seinem Posten als „Olympiainspekteur“ zurückgetreten. Gescheitert sei er, so stand es zu lesen, an Hermann Schridde.

Man könnte aber auch sagen, er sei an sich selbst gescheitert, da er, der so viele Hindernisse in seiner Springreiterlaufbahn überwand, schließlich nicht einmal über den eigenen Schatten springen konnte.

Als es um den „dritten Mann“ ging, konnte der Inspekteur die schon vom Springreiter-Ausschuß ausgesprochene Nominierung von Hermann Schridde noch rückgängig machen und Steenken in letzter Minute durchboxen. Dem Argument, daß beim Springreiten schließlich das Pferd eine ausschlaggebende Rolle spiele und nicht der Reiter allein und daß Steenken mit Porta Westfalica da einwandfrei besser dran sei, beugten sich schließlich die vier Experten im „Ausschuß“, ohne restlos überzeugt worden zu sein, daß die Überlegenheit der Stute Porta Westfalica auch ausreiche, eine gewisse Unerfahrenheit Steenkens gegenüber dem Routinier Schridde, der Europameister, Gold- und Silbermedaillengewinner in der Tokio-Equipe war, völlig auszugleichen.

Als Fritz Thiedemann nun aber als Ersatzmann immer noch nicht Hermann Schridde, sondern seinen Landsmann Jarasinski, der ursprünglich aus Mitteldeutschland nach Elmshorn gekommen war, durchzubringen versuchte, winkte der Viererausschuß, in dem der einst bekannte Turnierreiter Brinckmann sitzt, endgültig ab. Er konnte nun mit bestem Willen keine objektive Einstellung mehr in dieser beabsichtigten Aufstellung sehen. Die Differenzen Thiedemann/Schridde sind auch in die Öffentlichkeit gedrungen, und so fällt es auch dem Außenstehenden schwer, hier Thiedemann, der ja als vorbildlicher Sportsmann bekannt war, noch zu verstehen.

Das nationale Reitturnier in Wolfsburg hat jetzt die Aufstellung für Mexiko bestätigt.

Der vermeidbare Rücktritt des Olympiainspekteurs – zunächst wird noch von „Beurlaubung“ gesprochen – zwei Monate vor Beginn der olympischen Reiterkämpfe in Mexico City kann sich natürlich sehr störend auf einen möglichen Erfolg auswirken, der sowieso, zumindest der Papierform nach, mit dem vierten Platz hinter Italien, USA und England nicht gerade spektakulär ausfallen sollte. Und dies für ein Team, das in Stockholm, Rom und Tokio dreimal hintereinander siegreich war.

Dem „Trainer“ Thiedemann war jedenfalls nicht wie dem Reiter Fortune beschieden. Bleibt zu hoffen, daß wenigstens seinem „Vertreter“ Hans-Heinrich Brinckmann das Glück in Mexiko etwas lächelt. Adolf Metzner