In das Kapitel „verpaßte Gelegenheit“ hat der Aufsichtsratsvorsitzende der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, Dr. Hans-Günther Sohl, die gescheiterten Fusionsverhandlungen zwischen Veba und GBAG eingeordnet. Das ist ein überraschendes Eingeständnis für einen Mann, der als Baumeister der Thyssen-Gruppe die erfolgreichste Konzentrationsbilanz der deutschen Nachkriegsmanager aufzuweisen hat.

Einen Rationalisierungseffekt von jährlich 80 Millionen Mark könnten die beiden auf Kohle-, Öl-, Chemie- und Stromwirtschaft basierenden Konzerne durch einen Zusammenschluß herausholen. Abgesehen davon könnte die Kombination Veba/GBAG eine Kernzelle für eine große deutsche Mineralölgesellschaft sein, die als Pendant zur Kohleneinheitsgesellschaft unserer gesamten Kohlenwirtschaft gut zu Gesicht stehen würde. Und ganz nebenbei wäre mit der Fusion auch die Gefahr gebannt, daß die GBAG, die als einzige Gesellschaft der Bundesrepublik über eine eigene Rohölförderung in Libyen verfügt, still und heimlich unter ausländische Kontrolle gerät. Die bei der Dresdner und Deutschen Bank liegenden Pakete an GBAG-Aktien (von eingestandenen 30 und 8 Prozent des Kapitals) können theoretisch keine Garantie dafür sein, daß internationale Interessenten nicht zum Zuge kommen.

Wo der Schwarze Peter für das Scheitern der Fusion liegt, wissen letztlich nur die Beteiligten selber; der Vorwurf, eine unternehmerische Leistung ersten Ranges verpatzt zu haben, fällt keineswegs allein auf den Veba-Vorstand zurück.

nmn