Die sich abzeichnende Gründung einer Kohle-Einheitsgesellschaft gab den Anstoß zu einer Hausse reiner Zechenaktien. Seit Ende 1966 ist der Kurs von Harpener Bergbau von 50 auf 205 Prozent gestiegen, also um 310 Prozent! Hamborner Bergbau kletterten in der gleichen Zeit von 73 auf 194 Prozent – oder um „nur“ 138 Prozent.

Diese Wertverbesserung ist nur zu einem kleinen Teil die Wirkung der „flankierenden Hilfsmaßnahmen“ der Bundesregierung für die deutsche Kohle. In der Hauptsache handelt es sich um eine Spekulation auf den umfangreichen Grundbesitz beider Unternehmen, der bei einer Überführung der Zechen in die Einheitsgesellschaft entweder hoch bewertet werden oder zu einem Immobilienunternehmen zusammengefaßt als selbständige Gesellschaft weitergeführt werden müßte. Bei optimistischer Wertfestsetzung des Grundbesitzes kommt ein williger Rechner schließlich auf Kurse von 300 Prozent und mehr für die Aktien von Harpener und Hamborner Bergbau.

Bei der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) spielen zwar ähnliche Überlegungen für die Kursgestaltung eine Rolle, doch wagt man diese Karte so lange nicht voll auszureizen, wie man nicht weiß, ob die Unternehmensleitung sich überhaupt entschließt, ihren Zechenbesitz in die Einheitsgesellschaft einzubringen. Ähnliches gilt für die Eisen- und Stahlkonzerne, soweit sie über gesellschaftseigene Zechen verfügen.

Wer angenommen hatte, nach der Rheinstahl-Hauptversammlung würde sich der Rheinstahl-Kurs kräftig erholen, sah sich durch die Entwicklung getäuscht. Selbst die angedeutete Möglichkeit einer Dividende für 1968 ließ die Anleger völlig kalt. Eine Ausschüttung, die nicht verdient worden ist und die nur zur Beruhigung kleiner Aktionäre gezahlt werden soll, ist keine Basis für eine bessere Bewertung des Gesamtunternehmens.

Bei Klöckner wurde die Kooperationsbereitschaft nach allen Seiten mit einem stabilen Kurs honoriert. Ansonsten gehen die Käufer an den Stahlaktien weiterhin in einem großen Bogen vorbei.

Vorsicht wird auch gegenüber den Automobil-Aktien geübt. Die hohe Exportquote der deutschen Kraftfahrzeugbauer erfüllt nicht nur mit Stolz, sondern auch mit Sorge. Vor allem wegen möglicher Wechselkursänderungen, auch die Streikgefahr in den US-Häfen spielt hier eine Rolle. Kommt es dort zum Ausstand, kann es Absatzstockungen worunter besonders das Volkswagenwerk zu leidenhätte. K. W.