"Sprechen Sie Deutsch?" "Nein " "Ihr Name, Vorname, Beruf?" "Oberstleutnant Malraux, Andre, genannt Oberst Berger. Ich bin der Militärbefehlshaber dieses Bezirks " Er schaute verdutzt auf meine Feldbluse ohne Rangabzeichen. Auf welche Fabeleien hatte er denn gewartet? Ich bin doch in einem Wagen gefangen worden, der die Trikolore mit dem Lothringer Kreuz führte.

"Welche Organisation?" "De Gaulle " "Sie haben Gefangene gemacht, nicht wahr?" Er sprach mit dem Akzent der Norddeutschen, der hart und gar nicht "teutonisch" ist. Die Art seiner Vernehmung hatte etwas Bedrohliches an sich, doch nichts Verletzendes oder Herausforderndes.

"Was die Einheit, die mir unmittelbar untersteht, anlangt, hundert " Es war, ich weiß nicht warum, üblich, die Gefangenen der Maquis vor Kriegsgerichte zu stellen. Ich hatte ein Gerichtsverfahren solcher Art mitgemacht, darin Partisanenführer auf der Richterbank saßen, die sich für Gerichtsräte hielten; wo eine Anklagerede gehalten wurde, mit der man einigermaßen einverstanden sein konnte, denn der Haß gleicht immer dem Haß, und wo eine Verteidigungsrede gleichsam als ihre eigene Parodie von einem Manne vorgetragen wurde, der nach einem Gerichtsschreiber aussah, der den Advokaten spielte und so einen Lebensneid von zehn Jahren zu stillen schien. Das Ganze ging vor sich in dem niederen und kühlen Saal eines Schlosses im Departement Lot, und draußen in der großen Hitze meckerten Ziegen und standen gelbe Blumen Wir hatten schon einige zwanzig Elsässer in Freiheit gesetzt, denn die Elsässer waren zahlreich bei den Truppen, die uns bekämpften, wie sie in unseren Maquis zahlreich vertreten waren. Einer unserer Leutnants, ein Lehrer aus der Gegend von Kolmar, hatte sich angeboten, die Verteidigung der Deutschen zu übernehmen, und hatte in Französisch, dann in Deutsch gesagt: "Keiner dieser Männer gehört der SS oder der Gestapo an. Sie sind Soldaten. Man kann nicht Soldaten dafür erschießen, daß sie eingezogen wurden und die Befehle ausgeführt haben, die man ihnen gab Hinten im Saal standen viele der Unsrigen, und ich spürte die bange Beklemmung unserer Elsässer. Die Entscheidung ging dahin, die Gefangenen der ersten alliierten Einheit zu übergeben, auf die wir stoßen würden. "Wie werden sie behandelt?" Der stenographierende Schreiber legte seinen Stift hin.

"Sie werden verpflegt wie unsere Männer. Für sie ist der Krieg aus " Der alte Spatzenkopf fragte sich, ob ich ihn wohl auf den Arm nehme, hatte aber nicht den Eindruck.

"Sie waren auf Wilde in Lumpen gefaßt und stießen auf uniformierte Soldaten " "Mit Fallschirmen abgesprungen?" "Nein; die Maquis Frankreichs " "Wo sind sie?" "Wer, die Gefangenen?" "Das ist doch dasselbe!" "Immerhin gibt es dort mehr Partisanen als Gefangene " "Wo sind sie?" "Ich weiß es nicht, glücklicherweise. Sprechen wir deutlich. Sie waren in den Wäldern von Siorac. Seit spätestens zwei Stunden wissen meine Männer, daß ich in Ihre Hand gefallen bin. Seit eineinhalb Stunden hat mein Nachfolger das Kommando übernommen, und das ist ein Generalstabsoffizier. Zu dieser Stunde gibt es im Lager keinen einzigen unserer Soldaten und keinen Gefangenen mehr " Er überlegte.

"Was ist Ihr bürgerlicher Beruf?" "Professor, Schriftsteller. Ich habe an Ihren Universitäten Vorträge gehalten. In Marburg, in Leipzig, in Berlin " Professor, das machte Eindruck.