Neun Bankiers aus Nordrhein-Westfalen wollen es besser machen als Deutschlands große Reisefabriken. Sie wollen das anspruchsvolle Publikum aus gehobenen Einkommensschichten mit exklusiven Reisen bedienen, aber gewiß damit auch verdienen.

Die Bankiers gründeten den „Caravelle-Club zur Förderung der Flugtouristik im Lande Nordrhein-Westfalen e. V.“, und da ein Verein allein nicht genügt, gründeten sie auch gleich noch den „Caravelle-Club Reisedienst GmbH“. Die Mitgift für den Reisedienst beweist, wie ernst es den Bankiers ist: Erst einmal 100 000 Mark Gründungskapital, das bis zum 25. September auf 1,5 Millionen Mark erhöht wird.

Bankiers, Club und Reisedienst zusammen ergeben eine potente Gruppe. Die Bankiers sorgen für das nötige Kapital, und sie werden auch dem Club zu dem verhelfen, was ihm noch fehlt: zu vielen Mitgliedern. Mitglied des Clubs darf jede juristische Person (Firmen zum Beispiel) und natürliche Person werden, die in Nordrhein-Westfalen wohnt. Jedes Mitglied muß sich darüber hinaus noch durch eine gesunde finanzielle Grundlage klassifizieren. Durch hohes Einkommen also, oder durch Vermögen. Und wer weiß es besser als die Banken, wer da überhaupt in Frage kommt?

Der Club bürgt für Exklusivität. Man ist nicht mit Neckermann oder Touropa in den Urlaub gefahren, sondern mit seinem Club; zwar mit dem Charterflugzeug, aber wahrscheinlich im 1.-Klasse-Service.

Der Reisedienst übernimmt Verwaltung und Organisation, den Einkauf von Hotels und Flugkapazität. Dabei soll der Dienst nicht von den großen Veranstaltern Programme übernehmen, sondern man will selbst mit den Luftlinien und den Hoteliers verhandeln. Finanziert wird der Reisedienst durch die Aufnahmegebühr (50 Mark) und den Jahresbeitrag (60 Mark) der Mitglieder des Clubs. Die Preise für die Reisen selbst werden günstig sein, denn Zuschläge für die Verwaltung entfallen.

Es fehlt eigentlich nur noch die Charter-Fluggesellschaft. Aber auch daran haben die tüchtigen Bankiers offensichtlich längst gedacht. Die Schlüsselfigur in Club und Reisedienst ist Dr. Kurt Bach, Vorstandsmitglied der Bau-Kredit-Bank und Mitglied des Aufsichtsrates der Düsseldorfer Touristik-Fluggesellschaft LTU. Die LTU ist nach den Lufthansatöchtern Condor und Südflug Deutschlands größte Charterfluggesellschaft, und sie hat ihren Anteil an Touristikflügen in den letzten Jahren stetig vergrößert. Die modernsten Flugzeuge der LTU für den Fernflugverkehr sind drei französische Düsenmaschinen vom Typ „Caravelle“. Nun hat der klingende Name des Clubs auch seinen tieferen Sinn.

Der „Caravelle Club“ wird sich Mitte September mit der ersten Ausgabe der Clubzeitschrift vorstellen. Für die Wintersaison soll dann auch schon das erste Programm verkauft werden. Angepriesen wird eine Flugreise in die Karibische See. Für alle Reisen will der Club die volle Haftung übernehmen. Es soll nicht, wie heute üblich, der Nichthaftungsparagraph im Prospekt klein gedruckt stehen. Rolf Diekhof