Im Juli hatte Gowon in Lagos versprochen, er werde ernsthaft die Möglichkeit prüfen, einen neutralisierten Flugplatz in Biafra einzurichten, falls Ojukwu dem Roten Kreuz (IKRK) die alleinige Aufsicht übertrüge. Als alle Voraussetzungen geschaffen waren und Ojukwus Unterschrift vorlag, sagte Gowon: Nein. Wieder hatte er seine Verschleppungstaktik praktiziert. Herr über Leben und Tod: Während dieser Wochen ist die tägliche Todesrate von 600 auf 6000 gestiegen.

Jetzt, da die letzte Großoffensive im Gange ist, hält Gowon es für zweckmäßig, einer Luftbrücke zuzustimmen, die 4000 Tonnen Lebensmittel nach Biafra bringen soll – wahrscheinlich will er als rettungbringender Sieger einmarschieren. Nun kommt es darauf an, daß das IKRK über genügend Transportmittel verfügt. Kiesingers Vorschlag, die EWG-Länder sollten Flugzeuge zur Verfügung stellen, wird hoffentlich nicht ein flüchtiger Einfall gewesen sein, sondern ernsthaft vorangetrieben werden. Unser Aufruf, der die Regierung hierzu auffordert, trägt inzwischen 13 745 Unterschriften: vom Landesbischof Lilje bis zu Belegschaften von Instituten und Schulklassen haben in der vergangenen Woche wieder Tausende bekundet, daß sie Biafra helfen wollen. Das Jahr 1968 ist zum Jahr der Menschenrechte erklärt worden – wenn das nicht reiner Hohn sein soll, muß etwas geschehen. Dff