Der Bundesligastatus Westberlins schien wieder einmal gefährdet zu sein. Nach dreijähriger erzwungener Abstinenz von Deutschlands höchster Fußballklasse nahmen die Spieler des Berliner Vereins Hertha BSC einen neuen Anlauf, und nach dem 3:2 beim Aufstiegsspiel gegen Bayern Hof am 16. Juni atmeten die Berliner auf: Hertha hatte es wieder geschafft, man war wieder dabei.

Vom großen Skandal, der 1965 schließlich zur Verbannung des Vereins aus der Bundesliga geführt hatte, wollte niemand mehr sprechen. In dieser Saison sollte nicht mit unerlaubten Schecks am grünen Tisch, sondern sauber auf dem grünen Rasen für den Fußballruhm der Berliner gestritten werden.

In diese Sportidylle hinein platzte vor drei-Wochen die Meldung, bei Hertha sei wieder einmal „geschummelt“ worden. Die Gerüchte konzentrierten sich auf das Spiel gegen Bayern Hof; der inzwischen zurückgetretene Hertha-Vorsitzende Lohmüller stand schnell im Zentrum der Verdächtigungen.

Drei Tage nach dem entscheidenden Spiel, am 19. Juni, traf er sich „zufällig“ mit seinem Vorstandskollegen, dem Rechtsanwalt Block, in einem „chambre séparée“ im Casino des Tennisklubs Blau-Weiß. Beim Siegessekt fielen dann die Worte, die den Skandal auslösten und die bis dato alleinige Grundlage aller Recherchen sind. Lohmüller offenbarte „in einer Sektlaune“, wie er heute meint, daß das Spiel gegen Hof sehr teuer gewesen sei, daß es 38 000 Mark gekostet hätte. Block nahm seinen Sportsfreund beim Wort, vermutete Bestechung und alarmierte die Öffentlichkeit. Ein neuer „Fall Hertha BSC“ schien sich anzubahnen, aber es wurde nur ein „Fall Lohmüller“.

Aus dem Wirrwarr der Erklärungen und Gegenerklärungen ergibt sich folgendes Bild: Lange vor Beginn der letzten Aufstiegsrunde zur Bundesliga beschloß der Hertha-Vorstand, keine Spieler von Vereinen „aufzukaufen“, die an den Aufstiegsspielen teilnehmen. So wollte man von Anfang an alle Verdächtigungen, man hätte einige dieser Spieler bestochen und nur deshalb den Aufstieg geschafft, verhindern.

Lohmüller schlug jedoch unverzagt in einer späteren Vorstandssitzung vor, einige Spieler anderer Vereine zu bestechen, um so den Hertha-Aufstieg zu „erleichtern“. Auch dieser Vorschlag wurde abgelehnt und die Ablehnung durch einen Beschluß bekräftigt, auf keinen Fall „krumme Dinger“ zu machen.

Nach diesen vergeblichen Versuchen wurde Lohmüller nun offensichtlich privat aktiv: Er schickte zweimal ein Vereinsmitglied nach Hof, einmal mit einem Scheck von 23 000 Mark, dann mit einem Barbetrag von 15 000 Mark, um die Hof-Spieler vom finanziellen Nutzen einer Niederlage zu überzeugen. Aber der Bote konnte seine Mission nicht erfüllen, er brachte Scheck und Geld zurück.