Von Ingeborg Zaunitzer-Haase

Nichts gegen Ruhe und Geborgenheit. Sofern sie aber zur Bewegungsunlust oder gar -unfähigkeit führen, sind sie als Mittel zur Verfeinerung und Verschönerung des Daseins ungeeignet.

Wer sich in jüngeren oder mittleren Jahren ein Eigenheim kauft mit dem festen Plan, sich dort für den langen Rest seines Lebens „häuslich“ niederzulassen, dem entgehen oft vorzügliche Möglichkeiten, sich komfortabler zu etablieren oder die heimische Umgebung seinen gewandelten Bedürfnissen und Einkommensverhältnissen anzupassen. Vergröbert gilt, daß der Weg zur Villa oft über den Verkauf des lieb gewordenen Eigenheims führen muß.

Daß sich diese nicht gerade neue Erkenntnis in der Bundesrepublik bislang erst in bescheidenem Umfang durchgesetzt hat, ist der für Deutsche recht typischen Angst vor Veränderungen zu verdanken. Das eigene Häuschen ist zwar immer noch das Ziel aller Wohnwünsche – zugleich aber die Endstation aller Sehnsüchte.

Dabei läßt sich ein einige Jahre altes Eigenheim vorzüglich zur Anzahlung eines größeren Hauses verwenden. Seit Beginn der fünfziger Jahre sind nämlich neu gebaute Häuser ständig im Wert und im erzielbaren Preis gestiegen.

Ältere Häuser bringen Verkaufserlöse, die – gemessen an ihrem Sachwert – sehr hoch sind, die aber dennoch deutlich unter den Neubaukosten ähnlicher Häuser liegen. In einer verkehrsgünstig angelegten Siedlung in Hannover – zum Beispiel – wurden 1952 Reihenhäuser mit je 55 Quadratmetern Wohnfläche gebaut. Sie kosteten damals – einschließlich kleinem Grundstück – 12 000 Mark. In dieser Siedlung wurden 1961 Häuser wieder verkauft, die durchschnittlich 35 000 Mark „brachten“. 1964 kosteten diese Häuser bereits 54 000, 1967 55 000 Mark.

In München kaufte jemand 1960 ein neu gebautes Reihenhaus für 75 000 Mark und verkaufte es jetzt für 132 000 Mark.