Die amerikanischen und ausländischen Journalisten fühlten sich wie Kriegsberichterstatetr – die Bilder aus Vietnam drängten sich auf. An den Bildschirmen verfolgte die Nation, wie Jeeps mit aufmontierten Stacheldrahtverhauen in unbewaffnete Menschenmengen rasten, wie Nationalgardisten mit Gasmasken und aufgepflanzten Bajonetten gegen Kriegsgegner vorgingen, wie mehr als 700 Demonstranten und über 20 Journalisten blutig geprügelt wurden.

Amerika zeigte sich von seiner häßlichsten Seite: In Chikago wurde die Hoffnung auf eine neue Politik erstickt. Bajonette und Schlagstöcke siegten über die Sprechchöre der Kriegsgegner. Rühriger Organisator war der „Diktator“ (Sunday Times) und Bürgermeister von Chikago, Richard Daley.

Auf dem 35. Konvent der Demokraten wurde erbittert über die Haltung der Partei zum Vietnamkrieg debattiert. Das Ende vom Lied: Eine totale Rechtfertigung der Politik Johnsons. Aber dieser Sieg wurde gegen den Widerspruch von mehr als 1000 Delegierten durchgesetzt; zwei Fünftel des Konvents waren verbittert, die Einheit der Partei ferner denn je. Als Hubert H. Humphrey zum Kandidaten der Partei für die Präsidentenwahl nominiert wurde, verweigerte ihm die Minderheit die – sonst obligatorische – Unterstützung; sein Gegenspieler, Senator Eugene McCarthy, fehlte in der Reihe der Gratulanten. Auch die Nominierung des Senators Ed Muskie für das Amt des Vizepräsidenten konnte den Riß nicht kitten.

Im jetzt beginnenden Wahlkampf treten zwei Politiker gegeneinander auf, deren große Zeit längst vergangen schien. Außer dem Namen können sie wenig Alternativen bieten; in der Vietnamfrage nehmen sie beide den gleichen Standpunkt ein: eine politische, „ehrenhafte“ Beendigung des Krieges, kein einseitiger Abzug, kein unbefristeter Bombenstopp.

Der Republikaner Richard Nixon hat gegenüber Humphrey jedoch einen entscheidenden Vorteil: Der Konvent der Republikaner strahlte im Gegensatz zum „Kriegschaos“ in Chikago jene glückliche Einigkeit aus, die Amerikaner so lieben.