Schillers Sanduhr läuft. Immer noch nicht können sich einige Ruhr-Konzerne für die Kohle-Einheitsgesellscha ft entscheiden.

In allernächster Zeit muß sich entscheiden, ob aus rund zwei Dutzend Gesellschaften des Ruhrbergbaus ein einziges großes Unternehmen wird. Bis Mitte September sollen die Zechengesellschaften ihr grundsätzliches Placet unter das in Bonn ausgehandelte Konzept einer Einheitsgesellschaft setzen. Sie sollen ihren Bergbaubesitz an die neuzugründende Ruhrkohlen AG abtreten, die für die Kohle die Chance in sich birgt, ein wettbewerbsfähiger Wirtschaftszweig zu werden; und den Eigentümern wird ihr Verzicht auf mehr oder weniger erfreuliche Vermögensteile immerhin mit einem vom Staat garantierten Kaufpreis honoriert.

Greifen Sie zu, meine Herren Bergassessoren, möchte man in diesen Tagen den Bergbauunternehmen zurufen, laut und nachdrücklich. Denn inzwischen läuft die Sanduhr des Bundeswirtschaftsministers. Das Für und Wider der Einheitsgesellschaft ist lange, allzu lange diskutiert worden, um eine weitere Verzögerungstaktik sachlich begründen zu können.

Professor Schiller will nunmehr – und das ist ihm ja wohl auch nicht zu verdenken – Taten sehen. Der Kohlebeauftragte ist im Amt. Ihm hat der Bundestag mit dem Kohleanpassungsgesetz die Aufgabe übertragen, den Bergbau gesundzumachen. Das haben in einer zehn Jahre währenden Kohlenkrise weder die Zechenunternehmer selbst noch das ganze umfangreiche Arsenal staatlicher Interventionen zugunsten des Bergbaus geschafft.

Jetzt bietet die Schillersche Lösung der „optimalen Unternehmensgröße“ die Chance, im Ruhrbergbau reinen Tisch zu machen. Die Kohleförderung sinnvoll auf die besten Anlagen zu konzentrieren und alle Rationalisierungsreserven der Konzentration auszuschöpfen, das sind die auf der Hand liegenden Möglichkeiten einer großen Bergbaugesellschaft. Die Ruhrkohlen AG ist ein praktikables Rezept für eine volkswirtschaftlich vernünftige – und längst überfällige – Sanierung des Steinkohlenbergbaus.

Aber auf volkswirtschaftlich sinnvolle Lösungen ist man im Bergbau noch immer nicht abonniert. Auch jetzt wissen viele Unternehmen dieser Branche immer noch nicht, ob sie sich freiwillig um die Eintrittskarte in die Gesamtgesellschaft bemühen sollen. Mit dem seit Generationen kultivierten Beharrungsvermögen schwören einige Zechenherren noch immer auf die Vorteile ihrer Selbständigkeit und übersehen dabei gern, daß die ganze Zechenherrlichkeit schon längst eine vom Steuerzahler geborgte Pracht ist.

Auch wenn die geförderten Kohlen gegenwärtig wieder flott verkauft, die Halden zum Teil sogar recht zügig abgebaut und in den meisten Zechenbetrieben keine roten Zahlen mehr geschrieben werdet, ist die Kohlenkrise nicht behoben. Aber es ist leider nicht zu verkennen, daß die Bereitschaft, sich von hoffnungslos unrentablen Betriebsteilen zu trennen, größer war als das Bedürfnis, eine Einheitsgesellschaft zu gründen, die mit optimalen Kosten arbeiten kann und daher – so Thyssenchef Hans-Günther Sohl – „für den Bergbau die wirtschaftlichste, für den Bergmann de sozialste und für die öffentliche Hand die billigste Losung darstellt“.