Jedes Jahr eine Woche Urlaub an einem von zehn oder zwanzig Ferienorten irgendwo in Europa oder gar Übersee gegen einmalige Zahlung von 1400 oder 1500 Mark: Angebote dieser Art sind selten geworden. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Ferien-Anlagefonds mit Betrugsabsichten gegründet oder gerieten bald nach der Gründung auf die gefährlich naheliegende schiefe Bahn. Sie brachten eine gute Idee in Verruf: die Idee nämlich, mit verhältnismäßig geringem Kapitaleinsatz dem Publikum ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung zur Verfügung zu stellen – zeitlich beschränkt zwar, aber dafür nicht an einen bestimmten Ort gebunden, an dem man sich irgendwann einmal sattsieht.

Der letzte überlebende „Ferienfonds“ ist die Hapimag-Eurokapital-Gruppe. Die Rechtsform der Hapimag – sie heißt genau: Hapimag Hotel- und Appartementhaus Immobilien-Anlage AG und sitzt in Zug in der Schweiz – ist zwar nicht die eines Fonds, aber alles übrige funktioniert im wesentlichen wie ein Fonds. Darüber hinaus aber will man den Anteilseignern, sprich: den Aktionären, zusätzlich die Rechte verschaffen, die eben nur einem Aktionär zustehen und nicht einem Zertifikatsinhaber. Und diese Aktionäre – es sind mittlerweile rund 8000 an der Zahl, zumeist Bürger der Bundesrepublik – machen seit dem vergangenen Jahr von ihren Rechten reichlichen Gebrauch. So reichlich, daß es sich verschmerzen läßt, daß die Organisation als Aktiengesellschaft den Vorschriften und Kontrollmöglichkeiten des Schweizer Anlagefonds-Gesetzes nicht unterliegt.

397 Appartements an bislang 19 Orten in der Schweiz, der Bundesrepublik (Bad Neuenahr, Bad Pyrmont, Berlin), Österreich, Schweden, Finnland, Italien und Spanien (einschließlich Mallorca und Teneriffa) gehören der Hapimag. Am zwanzigsten Ort, im salzburgischen Saalbach, gab es gerade den ersten Spatenstich. An fünf weiteren Plätzen, darunter in Miami/Florida, wurden Appartements gemietet.

Einschließlich Möblierung und allen übrigen Einrichtungen repräsentieren diese Liegenschaften einen Buchwert von gut 23 Millionen Schweizer Franken. Finanziert wurden sie von den Hapimag-Aktionären, allerdings auf einem kleinen Umweg. Seit Beginn der Geschäftstätigkeit im Jahre 1963 werden die Bauten von der im liechtensteinischen Vaduz ansässigen, von dem Hapimag-Gründer Alexander Nette kontrollierten, zu keinerlei Rechenschaft verpflichteten Eurokapital Finanzanstalt vorfinanziert. Die Eurokapital verkauft jeweils ihre Appartements an die Hapimag zu einem vertraglich vereinbarten Festpreis von je 61 000 Franken und übernimmt dafür Hapimag-Aktien aus entsprechenden Kapitalerhöhungen, die sie im Publikum absetzt.

Daß ein Aktienzeichner, wenn er den zur Zeit geltenden Preis von 1575 Franken zahlt, dafür eine Aktie im Nennwert von 100 Franken für 475 Franken erwirbt und den Rest als Darlehen gibt, ist weniger kompliziert, als es aussehen mag. Dieser Kniff soll dem Anleger steuerliche Vorteile bringen.

Für sein Geld bekommt der Aktionär das Recht, pro Aktie eine Woche im Jahr ein Appartement bewohnen zu dürfen. Er „verwohnt“ also seinen Zins, bezieht „Naturaldividende“, die – rechnet man alles genau durch und vergleicht mit entsprechenden Beherbungspreisen am betreffenden Ort – zwischen knapp unter 10 und bis zu 20 Prozent ausmachen kann.

Gelegentlich kann es trotz einiger Lenkungsmaßnahmen geschehen, daß ein spätentschlossener Aktionär in Spitzenzeiten erfahren muß, der gewünschte Ort sei zur gewünschten Zeit völlig ausgebucht. Dann ist er gezwungen, mit einem Ersatzangebot vorliebzunehmen. Ausgeschlossen aber sollte sein, daß er überhaupt nirgendwo unterkommt ...