Die amerikanische Wertpapier- und Börsenkommission (SEC), in der Wall Street kurz „Börsenpolizei“ genannt, hat ein Donnerwetter losgelassen. Der Gewitterstrahl der Kommission traf das mit Abstand größte amerikanische Brokerhaus, Merril, Lynch, Pierce, Fenner & Smith.

Der Brokerfirma, die auch Niederlassungen in der Bundesrepublik unterhält, wird vorgeworfen, sie habe im Zusammenhang mit Transaktionen von Aktien der Douglas Aircraft Co. Informationen über die voraussichtliche Gewinnentwicklung dieses Unternehmens nur einem begrenzten Kreis von Anlegern weitergegeben. Nach Ansicht der SEC hätte Merril Lynch diese Informationen veröffentlichen müssen, um andere ahnungslose Börsenkunden vor Schaden zu bewahren.

Die Brokerfirma will derartige Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. Tatsächlich muß die SEC erst noch den Nachweis dafür erbringen, daß Merril Lynch gegen ein Börsengesetz verstoßen hat.

Unabhängig vom Ausgang des Hearings, vor dem sich die Brokerfirma demnächst verantworten muß, mißt man in der Wallstreet dem Einschreiten der SEC deshalb so große Bedeutung bei, weil es sich – wenn man der New York Times glauben darf – um eine „relativ weitverbreitete Praxis“ handelt, die hier zum erstenmal beanstandet wird.

Zwar hatte die SEC immer schon ein scharfes Auge auf sogenannte Insider-Informationen. Als „Insider“ galten jedoch bisher nur Unternehmensangehörige – im Unterschied zu Angestellten von Brokerfirmen.

Mit Offenheit wird dagegen ein Verstoß gegen die amerikanischen Börsengesetzt (die meist strenger als die deutschen sind) von der Geschäftsleitung der deutschen Niederlassung der zweitgrößten amerikanischen Brokerfirma Bache & Co. in Frankfurt eingestanden. Die Frankfurter Niederlassung deckte vor einigen Monaten Unregelmäßigkeiten bei der Beratung einiger Kunden auf und entließ daraufhin vier ihrer Kundenberater fristlos.

Die Kundenberater hatten, wenn auch mit einer entsprechenden Vollmacht ausgestattet, eigenmächtig und ohne ausdrückliche Rückfrage Auftrage ausgeführt, die Verluste zur Folge hatten. Für die den Kunden entstandenen Verluste von insgesamt über einer Million Dollar ist die Firma Bache & Co. voll aufgekommen. Ob diese Kunden wohl auch reklamiert hätten, wenn sich die Eigenmächtigkeit ihrer Bache-Kundenberater für sie gelohnt hatte? W. B.