Die Aufwertung wäre für uns ein harter Schlag, und unseren Nachbarn wäre nicht einmal geholfen.

Nun dementieren sie wieder. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo und von irgendwem abgestritten wird, daß die Mark aufgewertet werden soll: die Bundesregierung, der Wirtschaftsminister, der Finanzminister oder die Bundesbank. Was diese Dementis wert sind, mag eine Begebenheit am Rande der Aufwertung vom 5. März 1961 zeigen: noch zwei Tage vor diesem Termin schwor Bundesbank-Direktoriumsmitglied Dr. Wolf in vertraulicher Runde alle heiligen Eide, daß keine Aufwertung kommen würde. 36 Stunden später war sie da.

Was anderes aber sollen die Verantwortlichen tun? Jede Andeutung eines solchen Schrittes würde eine Sturzflut von Spekulationsgeld aus anderen Ländern auslösen. Anstatt sich an wertlose Dementis sollte man sich besser an die Fakten halten. Und hier lassen sich sowohl Gründe für als auch gegen eine Aufwertung der Mark ins Feld führen.

Es muß aber klar unterschieden werden zwischen den weitgehend interessengebundenen Befürwortern eines solchen Schrittes im Ausland und den gegen eine Aufwertung sprechenden Gründen, die vorwiegend im Inland zu suchen sind.

Unsere Wirtschaft ist – nicht ohne Mühen – gerade aus dem Konjunkturtal heraus, nicht zuletzt durch gewaltige Anstrengungen, im Ausland neue Absatzmärkte zu finden. Viele Branchen leben heute von den Exporten. Hier aber liegt ein wesentlicher Unterschied zu der Situation vor sieben Jahren. Damals wurden im wesentlichen nur zwei Branchen „aufwertungsgeschädigt“ – der Schiffbau samt Schiffahrt und die Textilindustrie. Heute würde ein wesentlich größerer Teil unserer Wirtschaft – Automobil- und Elektroindustrie, Chemie und Maschinenbau, aber auch die wieder gesundeten Branchen Textil und Schiffbau – in Mitleidenschaft gezogen werden.

England, Frankreich und die USA hoffen, daß eine Verteuerung der deutschen Waren im Ausland – denn das wäre der Effekt einer Aufwertung – den Absatz ihrer Waren im Ausland begünstigen würde. Aber – trotz Pfundabwertung vor zehn Monaten erwartet England für 1968 ein größeres Außenhandelsdifizit als 1967. Englands Wirtschaftsprognostiker haben trotz aller Bemühungen um das Pfund ihre Voraussagen für 1968 schon dreimal – jedesmal negativ – berichtigen müssen (siehe Seite 32).

Wird Dollar, Pfund und Franc damit geholfen, wenn wir uns, zumindest partiell, von den Auslandsmärkten zurückziehen? Wer garantiert, daß sich in die von uns geöffneten Marktlücken nicht Italiener, Japaner oder Schweizer drängen?