Man schob mich in eines der Häuser, die um den Platz stehen. Zwischenstock. Der Raum – der Salon einer bürgerlichen Wohnung – bekam sein Licht nur durch einen halbkreisförmigen Arkadenbogen.

Im Innern Gitter. Draußen spazierten die Paare rund um den kleinen Gartenplatz, setzten sich auf die Kaffeehausterrasse: das übliche abendliche Treiben, wären da nicht die deutschen Uniformen gewesen. Meine Schwägerin (mein Bruder saß schon seit einem Monat ein) wohnte in der rue Alsace-Lorraine, hundert Meter vom Platz entfernt. Ein deutscher Major ließ Eier mit Schinken und eine Flasche Bordeaux hereinbringen. Hielt man mich für einen Gefangenen von Rang?

Das Zwiegespräch mit seinem obligatorischen „Pétain hat den Waffenstillstandsvertrag unterschrieben“ und „Die Wehrmacht foltert nicht“ war kaum eine Vernehmung zu nennen. Wir sprachen von Verdun, und der Major sagte:

„Damals war ich Gefangener der Franzosen.“ Der gepanzerte Wagen führte uns in ein Viertel mit breiten Prunkstraßen, umfuhr das großangelegte Gefallenendenkmal, hielt vor einem luxuriösen Hotel. Eine Halle ohne Möbel, außer einem Schreibtisch, hinter dem zwei Unteroffiziere arbeiteten. Der Major gab ihnen meine Papiere, die sich meine Kerkermeister der Reihe nach weitergereicht hatten. Der Unteroffizier sagte: „Vierunddreißig“ (eine Zimmernummer?). Sein Kollege und der Major nahmen mich in die Mitte. Ein Lift war da; wir benutzten die Treppe, auf der ein schwere Teppich lag, der durch blinkende Messingstangen festgehalten wurde. Ich hatte Mühe, die Treppen zu steigen. Aber die beiden Deutschen paßten ihre Schritte den meinen an. Auf dem Gang Militärposten ohne andere Waffen als eine Pistole im Futteral. Zweiter Stock. Tür 34. Ein Posten öffnete, schloß wieder ab, und der Teppich des Ganges erstickte das Geräusch der Schritte der drei Deutschen, die sich entfernten.

Es war ein großes, in ein Schlafzimmer verwandeltes Badezimmer. In der Ecke ein Bett mit einer Decke und weißen Laken. In der anderen ein Wandschrank. Keine Klingel. Keine Klinke an der Tür. Ich schlug mit den Fäusten darauf. Ein Posten trat herein, der mich aus einem nichts Gutes versprechenden Auge anblickte.

„Die Toiletten?“

Er führte mich hin. In einem Zimmer mindesten: zehn vertikale Pißschüsseln aus Keramik wie in den Kaffeehäusern. Er blieb hinter mir stehen. Rückweg. Er schnauzte mich an. Offensichtlich brüllte er, daß man nicht an die Tür klopfen dürfe. Würde das lange so weitergehen? Ich schaute ihn an und schrie ebenso laut wie er: