Der Vorsitzende des Parlamentarierkreises für Fremdenverkehr in Deutschland, Wolfgang Schwabe MdB, der zu den Fachleuten gehört, die sich um den verstärkten Reiseverkehr in der Bundesrepublik unter dem Motto „Wieder einmal Urlaub in Deutschland“ bemühen, schildert hier ein Beispiel, wie das Nachbarland Frankreich, das auch allen Grund dazu hat, um Touristen wirbt.

Das klassische Reiseland Frankreich hat in den letzten Jahren vor allem bei den Amerikanern und Engländern an Beliebtheit eingebüßt. De Gaulles eigenwillige Politik gegenüber den Befreiern Frankreichs hat in den USA und in Großbritannien viel Ärger verursacht. Man vergißt nicht so rasch, daß die NATO-Zentrale den Stuhl vor die Tür gesetzt bekam und sich in Belgien neu einmieten mußte. Und man verspürt fast täglich die Auswirkungen des französischen Vetos gegen die Aufnahme Englands in die EWG. Die kräftig gestiegenen Preise und die Unruhen und Streiks haben den Tourismus in Frankreich auch nicht gerade gefördert.

Schließlich kann man von Sachkennern noch nebenher erfahren, das gewisse „Etwas“ sei in Paris schwerer, im modernen London dagegen immer leichter zu finden. Sofern man als Gradmesser hierfür etwa die ungenierte Kürze der Miniröcke betrachten mag, scheint London in der Tat die Seine-Metropole um durchschnittlich zehn Zentimeter zu übertreffen.

Speziell beim Autotourismus beklagen die Franzosen die Neigung der sonnenhungrigen Ferienreisenden, ihr Land zu durcheilen, um dann in Österreich, wo die Preise günstiger sind, im klassischen Urlaubsland, der Schweiz, in den sonnigen Breitengraden Jugoslawiens, Italiens und Spaniens vor Anker zu gehen. Hier ist für die französische Fremdenverkehrswerbung, die sich der neuen Situation anpassen muß, ein mächtiger Freund in die Bresche gesprungen. Die französische Landwirtschaft und der Weinbau sind modern, aufgeschlossen und offensichtlich – dank landeseigener und europäischer Hilfe – auch finanzstark genug, um in großzügiger Weise für das Verweilen im Lande zu werben. Nicht etwa mit der in Deutschland aktuellen Aktion „Ferien auf dem Bauernhof“, sondern durch die Vertiefung des weltweiten, aber etwas erschütterten Bewußtseins: „In Frankreich ißt und trinkt man exzellent!“

Wer etwa in Calais mit seinem Auto das Fährschiff verläßt, wird von einem charmanten französischen Polizisten sehr freundlich begrüßt, aber keineswegs, wie das in England noch immer üblich ist, peinlich nach dem „Woher?“ und „Wohin?“ befragt. Der Ordnungshüter mit dem weißen Käppi salutiert leger und übergibt dem ankommenden Gast einen recht aufwendigen Autoatlas. Das schmale Hochformat mit der praktischen Ringbuchbindung trägt den gallischen Hahn, diesmal als kupfernen Kirchturmgockel mit einem lustigen Trikoloreband verziert auf der Titelseite. „Gastronomische Straßen in Frankreichs Provinzen.“ Der Inhalt überrascht angenehm. Vierunddreißig ausgezeichnete Kartenblätter aus dem berühmten „Michelin“ stellen nicht nur ganz Frankreich mit der anerkannten Gründlichkeit des weltberühmten Auto-Atlanten dar. Sie sind darüber hinaus so praktisch gefaltet, daß man auch im fahrenden Auto mühelos das jeweilige Anschlußblatt anlegen kann.

Alles andere aber muß man in Ruhe mit Genuß studieren. In beispielhafter Anordnung sind ungezählte kulinarische Hinweise dem Kartenwerk zugeordnet. 150 ausgezeichnete Farbphotos lassen dem Betrachter das Wasser im Munde zusammenlaufen. Das alles nicht etwa in einem angehefteten Inseratenteil, sondern von Faltseite zu Faltseite topographisch passend dem Betrachter vor Augen geführt: von den Muscheln der Kanalküste bis zur Bouillabaisse in Marseille, vom Lothringer Speckkuchen bis zu den Austern in Arcachon am Atlantik. Dazu über 200 Käsesorten und die Fülle der alkoholischen Kellergewächse.

Frankreich wirbt! Tourismus und Gastronomie sind aufgerufen, politische und wirtschaftliche Wunden zu heilen.