Die während der letzten 18 Monate unter Schwankungen gestiegenen deutschen Aktienkurse werden jetzt auf ihre Standfestigkeit geprüft. Kaum ist die tschechoslowakische Krise so weit abgeklungen, daß internationale Verwicklungen nicht mehr zu befürchten sind, taucht am Horizont die Möglichkeit eines Einmarsches der Sowjets in Rumänien auf. Gleichzeitig sind die propagandistischen Geschütze Moskaus auf die Bundesrepublik gerichtet.

Deshalb muß mit mehr Nervosität der Ausländer und in der Folge mit einem kräftigen Hin und Her der Aktienkurse gerechnet werden, je nach Grad der politischen Spannungen.

Der zweite Unsicherheitsfaktor wird durch die Diskussionen über eine mögliche DM-Aufwertung gebildet. Daß sie am vergangenen Wochenende ausgeblieben ist, nahm man in den Börsensälen zwar mit Erleichterung zur Kenntnis. Doch solange das Problem des Ungleichgewichts der deutschen Außenhandelsbilanz nicht gelöst ist, wird es immer wieder Spekulationswellen auf währungspolitischem Gebiet geben, die ihren Niederschlag ebenfalls in mehr oder weniger heftigen Kursschwankungen finden werden. In Börsenkreisen ist man überzeugt davon, daß die Bundesbank eine „Anpassungsinflation“ nicht zulassen wird.

Es ist verständlich, wenn jetzt von den Anlegern behutsam und mit großer Vorsicht disponiert wird. Der Berufshandel ist bereit, sich rasch wieder von eben erworbenen Papieren zu trennen, wenn nur winzige Anzeichen für einen „Stimmungsrückschlag“ vorhanden sind.

Das breite Publikum andererseits vertraut den konjunkturellen Auftriebskräften und sieht weder in den Aufwertungsdiskussionen noch in den politischen Spannungen einen Anlaß, sich von seinen Papieren zu trennen. Der „Kleinsparer überläßt die Entscheidung praktisch den Investmentfonds, denen er sein Geld anvertraut.

Für die trotz der erwähnten Belastungen immer noch vorhandene Zuversicht spricht die spekulative Aktivität einiger Börsenkreise, die in den großen Umsätzen bei den Kohlepapieren, bei Zellstoff Waldhof und neuerdings auch bei Rheinstahl zum Ausdruck kommt. K. W.