Am letzten Wochenende versuchten Guerilleros den US-Botschafter in Guatemala, John Mein, zu entführen – als er flüchtete, jagten sie ihm eine tödliche Maschinengewehrgarbe in den Rücken. Über die Kaffee- und Bananenrepublik in Mittelamerika verhängte daraufhin der gemäßigt-linke Präsident Julio César Méndez Montenegro den Ausnahmezustand – für Guatemalas Bürger seit Jahren beinahe gleichbedeutend dem Normalzustand.

Fast 90 Prozent der Bevölkerung, Indios und Mestizen, arbeiten in der Landwirtschaft; die meisten von ihnen sind Analphabeten. Bis Ende der vierziger Jahre war Guatemala wirtschaftliche Kolonie der USA: Die United Fruit Company, deren Kaffee- und Bananenplantagen zehn Prozent der anbaufähigen Fläche des Landes ausmachten, bestimmte im Verein mit Großgrundbesitzern und Militärs, was im Lande geschehen sollte.

Präsident Jacob Arbenz begann 1952 mit einer Landreform, von der auch die nordamerikanische United Fruit Company betroffen wurde. In Washington galt Arbenz seither als radikaler Kommunist. Die Vereinigten Staaten ließen sich die „kommunistische Bedrohung“ nicht lange bieten: Zwei Jahre später inszenierte der CIA eine Invasion von Gegnern Arbenz’. Unter jenen, die damals rechtzeitig vor den Konterrevolutionären entkommen konnten, war auch ein junger Doktor namens Che Guevara.

Die Aktion war erfolgreich – die United Fruit Company erhielt alle enteigneten Ländereien zurück. Guatemala war so zuverlässig, daß der CIA hier ungestört die Invasion in der Schweine-Bucht vorbereiten konnte. Doch Anfang der sechziger Jahre begann sich der Widerstand der Linken zu regen. Der 1966 gewählte Präsident Méndez Montenegro versuchte, sich mit den Guerilleros zu einigen, aber sein Amnestie-Angebot wurde von ihnen abgelehnt. Daraufhin ging die Armee mit Hilfe von US-Beratern in den Kampf. Unter ihrem Schirm bildeten sich rechtsradikale Terrororganisationen. Rechts und Links terrorisierten nun das Land, verkündeten in Zeitungsanzeigen „Todesurteile“ und vollstreckten sie. In den letzten zwei Jahren wurden mehr als 4000 politische Morde gezählt.

Im Januar 1967 wurden der Chef der US-Militärmission und der US-Marineattaché auf offener Straße niedergeschossen. Angehörige einer rechten Untergrundorganisation wollten durch Entführung des Erzbischofs von Guatemala den Rücktritt von Präsident Méndez erzwingen.