Der Mann im Fremdenverkehrsentwicklungsbüro beim Ministerrat sagte lachend: „Wenn Sie meinen, daß Ihre Reisenden unbedingt in Cafés sitzen müssen, weil Stadtbummel und Museumsbesuche müde machen, werden wir mehr Cafés bauen. Wie schon Hotels.

Das ganze weite Sowjetreich steht Ihnen zur Verfügung. Außer Moskau und Leningrad und der klassischen Route Taschkent–Samarkand–Buchara–Alma Ata auch Sibirien. Die Städte Irkutsk, Chaborowsk, Nowosibirsk und die Hauptstadt der Wissenschaft, Akademgorodok, empfangen Gäste. Dort können Sie den gewaltigen Sprung vom Feudalismus zu den Höhen der Wissenschaft und Technik erleben. Sie brauchen mehr als ein Jahr, wenn Sie alles sehen wollen, was für Touristen offen ist.“

„Aber Touristen aus dem Westen sind an Freiheit gewöhnt“, gab ich zu bedenken, „sie wollen nicht nur die Illusion der Freiheit. Sie haben Wünsche und Einfälle, und wenn sie mit dem Auto unterwegs sind, wollen sie ihnen spontan folgen können und nicht an allen Seitenstraßen von Schlagbäumen und Milizsoldaten aufgehalten und nach Permits gefragt werden.“ Allen Sirenenklängen zum Trotz, mit dem die sowjetische Fremdenverkehrswerbung Touristen mit harter Währung umcirct, muß der Besucher sich auf unliebsame Überraschungen und manches „Njet“ gefaßt machen. Er ist isoliert, man liefert ihm fertige Reisepläne und verschweigt die Details.

„Unsere Straßen sind noch zu schlecht, wir wollen nur das Beste für die Touristen.“ Der Funktionär warb um Verständnis. Tatsächlich ist das Straßennetz des mächtigen Reiches erstaunlich vernachlässigt.

„Bei uns macht man in solchen Fällen die Gefahren durch ein Schild ‚Schlechte Wegstrecke‘ kenntlich, und jeder handelt auf eigene Verantwortung.“

„Neuerdings haben wir, weil die meisten Touristen das alte Rußland erleben wollen und weniger die Errungenschaften des Fortschritts studieren, historische Rundreisen in die alten Städte organisiert“, beharrte der Funktionär, „nach Kiew, Susdal, Wladimir, Leningrad und Nowgorod. Für Susdal, die mittelalterliche Stadt nordwestlich von Moskau, ein Kleinod altrussischer Baukunst mit heute kaum 10 000 Einwohnern und einst mehr als zwanzig Klöstern und fünfzig Kirchen, gibt es einen neuen sorgfältigen Plan des Denkmalschutzes für eine behutsame Restaurierung. Die alte Stadt wird original wiederhergestellt. Hotels und andere Neubauten werden am Rand, am Ufer eines Stausees, errichtet. Sogar das Kopfsteinpflaster wird gepflegt. Die ganze Stadt ein Museum.