Der FDP-BundestagsabgeordneteHeinz Starke wollte die Ungewißheit nicht länger tragen. Nur ein Kanzlerwort, meinte er, könne noch helfen, ein Kanzlerwort, das endlich dem in- und ausländischen Gerede um die Aufwertung der Deutschen Mark ein Ende bereitet hätte.

Das Kanzlerwort blieb aus. Trotzdem wird an eine Aufwertung der Mark gegenwärtig in Bonn nicht gedacht. Vielleicht aber wird man die Lage nach den Gesprächen der Notenbankpräsidenten im Herbst anders beurteilen, vielleicht wartet man nur einen geeigneteren Zeitpunkt ab – wenn sich zum Beispiel die Spekulation etwas beruhigt hat.

Der „Run“ auf die Mark erreichte in der vorigen Woche seinen Höhepunkt. Auf dem deutschen Geldmarkt herrschte Geldschwemme. Ausländer und auch inländische Firmen wechselten ihr Geld in Deutsche Mark um. Bei der Bundesbank stapelten sich ausländische Banknoten.

Unter dem Druck der Spekulation sank der Kurs des Dollar von 4,03 Mark am Montag innerhalb von fünf Tagen auf 3,9725 Mark. Nur ein Viertelpfennig trennte ihn damit vom unteren Interventionspunkt. Die Bundesbank ist verpflichtet, durch Dollarkäufe dafür zu sorgen, daß der Dollar auf dem deutschen Markt niemals unter diesen Kurs fällt. Nur Stützungskäufe der Notenbank haben in der vorigen Woche auch verhindert, daß der Dollar bis auf den Interventionspunkt sank.

Die Gerüchte um eine Aufwertung der Deutschen Mark wurden in erster Linie von den Forderungen der Engländer genährt. Doch auch Bundeswirtschaftsminister Schiller trug sein Scherflein bei. Noch Mitte der Woche verkündete er vor der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels: „Wir sind uns in der Tat bewußt, daß weitere beharrliche Anstrengungen auf unserer Seite als Beitrag zum internationalen Gleichgewicht notwendig sind.“

Gegen die Aufwertung sprechen alle deutschen Industrieverbände und die ihnen nahestehenden Institute. Verhalten positiv äußerte sich dagegen der Deutsche Sparkassen- und Giroverband. Eindeutig für die Aufwertung plädierte das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung, dessen wissenschaftlicher Direktor, Professor Wilhelm Bauer, Mitglied des Sachverständigenrates ist.

Der reiche Nährboden, an dem die Gerüchte um eine Aufwertung so prächtig gedeihen, ist die außerordentlich günstige Entwicklung der deutschen Wirtschaft im ersten Halbjahr 1968, während sich für England, Amerika und Frankreich die Situation wesentlich verschlechterte.