Der Eifer, den Arbeitern und Angestellten einen hohen Anteil an den Ergebnissen des gegenwärtigen Konjunkturaufschwungs zu sichern, hat die Gewerkschaften zu widersprüchlichen Forderungen verführt. Von den Unternehmern verlangen sie Preissenkungen, vom Staat verbitten sie sich Eingriffe, die dem Aufschwung Fesseln anlegen könnten.

Preissenkungen auf breiter Front sind, abgesehen von den damit verbundenen Deflationsgefahren, nur möglich, wenn die Unternehmer vom Markt her dazu gezwungen werden. Preissenkungen kann man schließlich nicht verordnen; der Wirtschaftsaufschwung kam nur zustande, weil die Unternehmer ihre Waren verhältnismäßig leicht absetzen konnten.

Ein steiler Aufschwung, wie wir ihn augenblicklich erleben, führt zwangsläufig zu einem beträchtlichen Anstieg der Effektivlöhne. Die Tariflöhne werden bald folgen. Für den Unternehmer bedeutet das höhere Kosten. Höhere Kosten schmälern aber den Ertrag.

Weniger verdienen und dennoch die Preise senken – auf diese Formel laufen die Gewerkschaftswünsche an die Unternehmer hinaus. Man kann das Wirtschaftswachstum nicht schneller stoppen, als wenn man beides macht. Die Gewerkschaften wollen diesen Stopp nicht; darum sollten sie nicht Forderungen stellen, die letzten Endes darauf hinauslaufen. ks